Fränkischer Theatersommer 2011

Inzwischen bezeichne ich den Fränkischen Theatersommer längst als ‚Geschenk‘, ermöglichen mir doch vor allem der Intendant Jan Burdinski und meine ‚Musical-Chefin‘ Christiane Reichert jedes Jahr neue Herausforderungen. Waren es 2010 noch ‚nur‘ drei Produktionen und knappe 30 Vorstellungen, so wuchsen diese Zahlen im Folgejahr auf das sagenhaft Doppelte.

Irgendwann während des Sommers ’10 sprachen Jan und ich über Wilhelm Busch, im Herbst rief er mich an und orderte: ‚Du spielst nächstes Jahr ein Wilhelm-Busch-Solo‘, stellte mir die Auswahl der Texte und die Konzeptionierung völlig frei und wollte Regie führen. Das daraus entstandene Stück lese man bitte unter ‚Theater‘ à ‚Aktuell‘, denn ich spiele es inzwischen rege auch außerhalb des FTS‘ und erfreue mich zunehmenden Zuspruchs. 2011 habe ich erneut auch meinen „VeithsTanz“ gespielt, außerdem kamen hinzu: Das Musical „Hilfe, wir machen Urlaub!“, ein Kindertheaterstück, das wir ebenfalls sehr erfolgreich gespielt haben und das Lesungs-Stück „LoveLetters“.

Vielleicht noch zu erwähnen: In diesem Jahr hatte ich ein Auto, somit war es um einiges erträglicher als 2010. Dank sei somit der Institution Mitfahrzentrale und meinen mitfinanzierenden Eltern. :-)

"Hilfe, wir machen Urlaub!"

Musical

 

Urlaub - zwei Wochen Entspannung unter südlicher Sonne, baden, relaxen und die Seele baumeln lassen. Davon träumen wir alle. Doch dann wird es eine Urlaubsreise ins Chaos: Beim telefonischen Buchen der Tickets landen wir in einer elektronischen Warteschleife, unsere Koffer gehen auf dem Flug verloren und die Preise für den Mietwagen sind horrend. Ist man trotzdem angekommen, geht der Ärger weiter: Irgendetwas Wichtiges hat man garantiert vergessen; die fleißig trainierten Fremdsprachenkenntnisse stellen sich als unzureichend heraus; und was zum Teufel macht der Ex-Mann mit seiner neuen Partnerin im selben Hotel?! „Sänk ju vor travelling...“, kann man dann nur sagen. In diesem satirischen Musical singen und tanzen sich die vier Darsteller durch allerlei witzige Reise-Pannen, frustrierende Fehlbuchungen, große Urlaubsromanzen und atmen erst am Ende auf: Dahoam ist Dahoam!

 

 

Editoriales:

Nachdem das Musical „Ich liebe dich …“ 2010 ein so großer Erfolg gewesen war, war es nur plausibel, im Folgejahr ein weiteres durch Franken zu schicken. „Hilfe, wir machen Urlaub“ war sogar eine deutsche Erstaufführung; den Text schrieb Christiane, auch hier Regisseurin und Darstellerin, selbst. Durchs Vorjahr ein bisschen sicherer geworden im Gesang, legte Christiane (wie gewohnt) ein Schäufelchen drauf: „Welpenschutz ist nicht mehr; du singst gefälligst, was du singen sollst. Ach so, und ein Lied musst du lispelnd singen“ und, was mich eigentlich viel mehr stresste: mehr und schwierigere Choreografien.

Ali und auch meine beiden lieben Kolleginnen Christiane und Diana sind in der Musical-Ecke nahezu daheim und so kam es während der Proben öfter zu einigen recht komischen Situationen, denn wer sich auskennt, spricht natürlich auch im gängigen Modus … von dem ich kein Wort verstand. „Und dann macht ihr Shimmy-shimmy.“ – „Alles klar.“ – „Wir machen … WAS? Okay, erkläre es mir wie einem Dreijährigen.“ oder „Jets nach vorne rechts.“ – „Okay.“ – „Jets?“ – „Ja, wir laufen wie die Jungs in WestSideStory.“ – „Ah, gut, WestSideStory, Jets, kenn ich, nach vorne rechts, prima … und wie laufen die, verdammte Hacke?!“ oder „Dann gebt ihr Gummi zum QuickChange.“ – „Ich soll mich schnell umziehen?“ – „Korrekt.“ – „DANN SAG DAS DOCH AUCH!“ Ali war so rührend: Als Premieren-Geschenk erhielt ich von ihm ein Vokabelbuch mit sämtlichen Begriffen … Werte Kollegen, habt Dank für eure Geduld mit mir!

Am Piano wurden wir diesmal von Lioubov Knjazev am Piano begleitet, mit der es eine Freude machte zu arbeiten. – Lioubov ist wirklich reizend herzlich und es hat sehr viel Spaß mit ihr gemacht. In etlichen Vorstellungen, eigentlich bis zur letzten, konnten wir sie seitlich der Bühne kichern hören. Mir half sie besonders, da sie mir in im Vorfeld sämtliche Passagen, vor allem die mehrstimmigen, auf Band spielte, so dass ich sie üben konnte.

Das muss ich wirklich mal erläutern: Man stelle sich vor, man kann keine Noten lesen und Partituren ähneln Hieroglyphen; es gibt nur eine CD-Aufnahme einer amerikanischen Inszenierung in voller Instrumentierung; so, jetzt lege man den deutschen Text (für den es keinerlei Vorgabe, geschweige denn eine gesungene Aufnahme gibt) darüber, und lerne durch alleiniges Hören der englischsprachigen Aufnahme dann die vierte Gesangsstimme für den deutschen Text heraus; und bei der Inszenierung kommt noch hinzu, dass die Musik ‚nur noch‘ vom Piano kommt. Klingt kompliziert? Ist es auch, zumindest für mich. Klappte trotzdem. Musste es ja. – Immerhin: Es gab ein, zwei Situationen während der Proben, als ich sagte, es klänge irgendwie nicht richtig, und man schaute in die Partituren und stellte fest: in der Tat. Das möchte ich mir doch in aller Bescheidenheit zugutehalten: Ist die Melodie einmal drin, vermag ich sie auch zu singen. Aber dann komme man mir nicht mehr mit Änderungen!

Meine Unfähigkeit zeigte sich hier mehr im Tänzerischen, was unter anderem auch der Grund sein mag, dass ich mich mit diesem Stück nie so komplett anfreunden konnte wie mit „Ich liebe dich…“ Ich mochte unser Urlaubs-Musical, gar keine Frage, aber dadurch, dass ich bis zur letzten Aufführung Bange vor diversen Choreografien hatte, war es auch immer etwas mit Stress verbunden, woneben ich mich beim ‚alten‘ Musical schon nahezu heimisch fühlte.

 

Gesungenes Urlaubschaos - Nordbayerischer Kurier, 23. Mai 2011

Wegen Regens mussten Ensemble und Publikum am Samstagabend umbuchen: Und zwar bei der offiziellen Eröffnung der Freiluft-Spielzeit des Fränkischen Theatersommers mit dem Musical „Hilfe, wir machen Urlaub“. Statt auf dem weitläufigen Marienplatz drängten sich die Mitreisenden im völlig überbuchten Kulturzentrum St. Gangolf, aber konnten mit nur wenig Verspätung die gelungene, unterhaltsame Reise antreten, und sie bedachten die Crew mit viel Zwischen- und langem Schlussapplaus.

Eigentlich passte dieser Beginn wie geplant zu der „Hit-Musical-Comedy-Revue“. Verspricht doch schon der Text im Jahresprogramm des Theatersommers, dass es „eine Reise ins Chaos“ wird. Doch so leicht lassen sich erfahrene Reiseleiter und Animateure – pardon: Musicaldarsteller und Schauspieler – nicht aus der Fassung bringen. In einer Blitzaktion bauten sie zusammen mit den beiden Technikern des Theatersommers die gesamte Bühne auf dem Marienplatz ab und in St. Gangolf wieder auf, begleitet, beobachtet und beklatscht von dem stetig in den kleinen Raum strömenden Publikum. Und nur Augenblicke später traten die beiden Herren, die eben noch mit Akkuschrauber den Bühnenaufbau sicherten, und die beiden Requisiten schleppenden Damen, als ob nichts gewesen wäre, vor den blauseidenen Bühnenvorhang und nahmen die Zuschauer mit auf die schwungvolle und witzige Reise voller Urlaubspannen und Pauschaltouristen-Déjà-vu-Situationen. Christiane Reichert, die zusammen mit Diana Barth, Alexander Voss und Markus Veith diesen Urlaubswahnsinn singt und tanzt, führte zudem die Regie und hat auch das Stück aus dem Englischen übersetzt. Begleitet werden die vier von Lioubov Knjazev am Piano. Die Gruppe ist beim Theatersommer noch mit einem zweiten Musical „Ich liebe dich, du bist perfekt – Jetzt ändere dich!“ auf Tour.

Eigentlich fehlt diesem Musical der sonst übliche Ohrwurm, doch das machen die Akteure durch ihr komödiantisches Talent und vor allem die beiden Damen durch ihre stimmlichen Fähigkeiten wieder wett. Vor allem bei den Ensemblestücken kam echtes Musical-Feeling im Kulturzentrum auf. Bei dieser Vergnügungsreise bot das Programm so ziemlich für jeden etwas, der nicht gerade als Bildungsbürger eincheckte: vom am Zoll gestrandeten Souvenirjäger mit Koffern voller exotischem Getier, einem leicht unterbelichteten Flugkapitän einer Never-come-back-Airline, der ihrem Guide verfallenen Alleinreisenden, über die durchschlagenden Folgen unbedachten Leitungswasser-„Genusses“ bis hin zu der nur zu gut bekannten Frage bei der Abreise „Was hab ich bloß vergessen?“ Die als Lied verpackte Aufforderung „Fahr mal hin“ könnte durchaus auf das Musical selbst übertragen werden. Denn „Hilfe, wir machen Urlaub“ ist vergnügliche, leichte Unterhaltung für einen warmen Sommerabend, der nicht einmal ein wetterbedingter Hotelwechsel etwas ausmachen kann.

 

 

"Love Letters"

 

von A.R. Gurney;
deutsch von Inge Greiffenhagen und Daniel Karasek
Ein Tisch, zwei Stühle. Eine Frau und ein Mann. Melissa, Mädchen aus vermögendem Haus, scheitert an einer Umwelt zwischen Börsengeschäften und Eigennutz und wirkt verloren in ihren Gefühlen, die sie nicht ausleben kann. Der Karierepolitiker Andrew erkämpft sich Wohlstand und Ansehen mit der Präzision eines Uhrwerks. Immer wieder zieht es den prominenten Senator zu dem lasziven Geschöpf Melissa. Wir tauchen in diesem charmanten, ironischen, mal witzig, mal traurigen Briefwechsel tief in das Leben zweier Menschen ein, die sich seit frühester Jugend kennen und sich trotz unterschiedlicher Lebensläufe lieben, ohne es zu wissen.

Editoriales:

Ouh, das Ding geht unter die Haut. Das Stück fordert den Schauspieler und auch den Lesungs-erprobten Autor in mir, denn auch, wenn man es ‚nur‘ liest, gehen die Korrespondenzen der beiden zu Herzen und selbst, wenn man normalerweise nicht am Wasser gebaut ist, fängt es doch an zu plätschern. Und dennoch ist es auch zum Lachen. Ein wundervolles Stück; und der Autor hat völlig recht, wenn er darauf besteht, dass es in dieser Lesungs-Form, und nicht anders, inszeniert werden soll und muss.

Für mich war die letzte Aufführung dieses Stückes zusammen mit Christiane auch der letzte Abend des Theatersommers und ich fuhr in einer wohlig erfüllten Einsamkeit nach Hause. – Ich weiß, das klingt kitschig, aber wer es schon mal erlebt hat, wird das Gefühl verstehen.

  • Historie:

April 2011 - Die Proben für das Reise-Musical Hilfe, wir machen Urlaub! sind in vollem Gange und unter Christianes Regie vollführe ich mühevoll einen Schattensprung nach dem anderen. So ist nach der letztjährigen Musical-Produktion nunmehr mein Welpenschutz abgelaufen, sprich: nachdem ich in Ich liebe dichc noch die Melodien-Stimme singen durfte, habe ich heuer gefälligst die Stimme zu singen, die mir auch zugedacht ist. Alles andere als leicht, denn schließlich kann ich keine Noten lesen und ich hatte zum Üben nur die englischsprachige Aufnahme. Nun höre man sich mal aus solcher die zweite Männerstimme heraus und setze sie auf einem anderen Text um. Das ist, als wolle man den Schokopudding unter der Vanillesoße wegessen. Aber egal, nachdem mir unsere formidable Pianistin freundlicherweise meine Passagen als Klaviermelodien aufgenommen hat und ich mir diese hunderte Male angehört habe, sind sie nun allmählich sicher im Kopf. Prompt tun sich andere Probleme auf. Ich bin kein Tänzer, werde es nie sein, dennoch fordert dieses Stück weitaus mehr Choreografien als das vorjährige Stück. Meine Ensemble-Kollegen kommen allesamt aus der Musical-Sparte, was dazu führt, dass die drei mit Begriffen und Methoden arbeiten, die für mich zunächst böhmische Dörfer sind und die ich mir zunächst mühsam (und schnellstmöglich) anlernen muss. Inzwischen weiß ich was Slide und Pliés ist und wie man laufen muss, wenn von Jets die Rede ist. Sobald ich was Neues höre, bitte ich nur um einen Eintrag ins Vokabelheft und die lieben Kollegen wissen Bescheid. Sie haben wirklich sehr viel Geduld mit mir, wenn ich erstmal wie ein Tanzbär runhample, um alle Gliedmaßen zu den richtigen Bewegungsabläufen zu überreden.(...) Ein jeder Narr ... hat die Premieren-Bühne erklommen und das mit einem recht ansehnlichen Erfolg. Lob aus allen Ecken. Ich bin sehr zufrieden damit. Ich umschreibe es derzeit gerne als 'Kindertheater für Erwachsene', denn das trifft es recht gut. Es ist eine kurzweilige Abendunterhaltung geworden, sowohl mit Slapstick, als auch mit Tiefgang, kurz: genau die Mischung, die ich stets angestrebt habe. Und es funktioniert tatsächlich, die Bildergeschichten des großen, alten Humoristen zum Leben zu erwecken. Das Stück war in der Rekordzeit von nur sechs Tagen durchinszeniert. Bereits eine Woche vor der Premiere beraumten wir eine öffentliche Probe an, um es zu testen. Ich rechnete mit vielleicht vier, fünf Leute; es kamen schließlich ganze zwölf, alles Kollegen, also kritische Menschen vom Fach, und prompt schlug mein Lampenfieber Rot-Alarm. Aber es klappte ganz gut und ich war danach um einiges beruhigter. Jan und ich feilten noch nach und schließlich waren wir üppig vor der Premiere fertig. Eine Anekdote am Rande: Bei der Premiere des Solos im Hollfelder Kino Kintopp (übrigens eine wundervolle Bühne in herrlichem Kinosaal-Ambiente) bemerkte ich während des ersten Aktes, dass eine bestimmte Körperstelle mehr Luftzufuhr genoss, als es ihr in dieser Situation (Die Show muss weitergehen!) zustehen sollte. In der Pause eilte ich zu meinem Regisseur und bat ihn verzweifelt, irgendetwas aufzutreiben, Nadel & Faden, Sicherheitsklammern, Tacker, egal, irgendetwas, um dieses gewaltige Loch zu stopfen, welches sich in der Hose an prekärer Stelle aufgetan hatte, nachdem das Textil die gesamte Probenzeit so tapfer an sich gehalten hatte. Fazit: Tackerklammern halten an jener Stelle längstenfalls 5 Minuten. Nach der Vorstellung äußerten einige amüsierte Zuschauer ihr Lob darüber, wie geschickt ich es verstanden hätte, den kaum übersehbaren Riss durch Drehungen bestmöglichst zu verbergen.

Mai 2011 - Vorgestern feierte unser neues Musical Vorpremiere in Lohndorf, gestern war offizielle Premiere in Hollfeld. Dank der Regiearbeit von Christiane waren wir mehr als hundertprozentig vorbereitet, so dass sich das Lampenfieber nahezu erschreckend im Rahmen hielt. Zumal sich der Himmel über Hollfeld immer mehr bedeckte, je näher der Beginn der Vorstellung rückte, der schließlich einsetzende Regen uns samt bereits größer werdenden Publikum ins benachbarte Kulturzentrum scheuchte, wir in Windeseile die zuvor draußen aufgebaute Bühne ins Innere verfrachteten und vor vollen Rängen mit Akku-Schraubern alles neu zusammensetzten, Schweiß weg- und Schminke neu aufwischten, schnell noch eine Fluppe rauchten und mit nur 20 Minuten Verspätung vor dichtgedrängten Auditorium dennoch und zwar immer noch gut gelaunt eine tolle Show lieferten. Mit Verlaub, aber Christiane hatte recht, als sie sagte, mit einem anderen Ensemble wäre diese Tortour womöglich kaum machbar gewesen. (...) Allmählich setzt die Sommerstimmung ein, aber dafür war die vergangene Woche noch mal mit etlichen Stressmomenten gesegnet. Für einen Openair-VeithsTanz"-Auftritt am Donnerstag in Maineck, wo mein Solo in diesem Jahr dort die erste Veranstaltung sein sollte, gedachte ich die Tage zuvor mit leichten Auffrischungsproben zu verbringen und ließ den Montag entsprechend lässig angehen. Dann jedoch am Dienstagmorgen der Hilferuf, ob ich Donnerstag und Freitag bei zwei Auftritten mit dem Konzert der Tiere" in Thüringen einspringen könne. Nun ja, logistisch war es machbar, was Grund genug sein musste. Also: Gas geben und VeithsTanz" schnellstens wieder auf die Hirn-Festplatte zerren. Mittwochs ab Richtung Gera, am nächsten Morgen Aufführung, dann zurück. Obwohl Maineck quasi auf dem Weg lag, hatte ich vor, da es die Zeit zuließ, noch mal für ein Nickerchen und einen Probendurchlauf ins Schloss zu fahren ... als dann das Motor-Lämpchen aufleuchtete. Glücklicherweise - wenn man hier dieses Wort verwenden kann - kurz vor der Ausfahrt nach Maineck, wo ich ja abends spielen sollte. Also spornte ich meinen Focus - der in der Tat nicht ganz gesund klang - mit Versprechungen und Gebeten an, dass er die 10 km bis zum Auftrittsort durchhalten möge, damit, wenn nicht das Nickerchen, so wenigstens der Abend gerettet ist. Er schaffte es und um ein weiteres Mal fühle ich mich als Fan des ADACs. Der Gelbe Engel kam, sah und schleppte ab, (womit wohl mein Jahresbeitrag schon wieder drin wäre,) nachdem ich das VeithsTanz-Equipment vor Ort abgeladen hatte. Kleine schicksalsironische Anekdote am Rande: In meinem angenabelten Auto sitzend und allein zum Lenken, Bremsen und vor allem Abstand halten und Schwitzen verurteilt, geriet ich an einem Straßenschild denn doch in annähernd hysterisches Lachen, denn die Strecke gen Kulmbach führt an dem Ort namens Veitlahm vorbei! ATU wechselte eine Zündspule aus, ich konnte zurück, war pünktlich in dem schnuckeligen Biergarten auf Schloß Maineck ... und der Himmel zog sich zu und das Publikum blieb aus. Es ist nun mal so, die Poetry-Jam eignet sich nur bedingt als Opener, vor dem keine Werbung durch vorherige Aufführungen gemacht wurde. Mir blieb nur unverrichtetes Abziehen. Immerhin mit wieder heilem Auto, dem Gewinn, diesen hübschen, kleinen Ort kennen gelernt zu haben und sicher häufiger zu besuchen. Außerdem konnte ich die die Gastronomie betreibende Familie überzeugen, es doch mit dem Busch-Solo zu einem späteren Zeitpunkt zu probieren, mit mehr Presse und nach den anderen Veranstaltungen dort.

Juni 2011 - Heimreisen lohnt sich nur, wenn ich mindestens 3 Tage in meinen eigenen 4 Wänden sein kann. Und wenn man seine Fahrten bei der Mitfahrzentrale anmeldet, halten sich die Spritkosten in Grenzen, man lernt nette Leute kennen und kann womöglich noch Werbung machen. Zum Glück sind die Hauptetappen A44 und A7 nicht übermäßig staugefährdet. Wenn ich daran denke, dass ich letztes Jahr nur für eine (Zug-)Fahrt sechs Stunden gebraucht habe (Fahrten und Aufwand zum und vom Bahnhof zu kommen noch nicht mitgerechnet) und mindestens zwei Male umsteigen musste ... das ist schon schön, so wie es nun ist. (...) Ich bemerke, wenn ich Freunden und Bekannten von der Zeit hier und überhaupt der kommenden Zeit spreche, öfter eine eigenartige Form des Mißverstehens. Es scheint so, als klänge ich dabei, als sei mir mein derzeitiges Tun unangenehm. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Beruflich scheint mir die Sonne aus dem Hintern. Hey, ich spiele parallel fünf Stücke. Aber womöglich ist es genau das: Ich habe Respekt vor dem Aufwand, der mir zwar Spaß macht und mich am Ende eine hübsche Gage ernten, aber eben auch kaum Zeit für andere Dinge lässt. Häufig genug ist es hier auf Aufseß - trotz der mir lieben und teuren Kollegen und Nachbarn - doch recht einsam, denn ich würde schon sehr gerne meine Freizeit hier nutzen, um auch mal wieder was zu schreiben. Doch die Freizeit hier ist dieses Jahr durch das Doppelte an Auftritten um eben auch ein Doppeltes knapper bemessen als 2010; hinzu kommt, dass unsere Aufgaben hier vor Ort - zum Beispiel Aufbauten und Fahrten - umfangreicher geworden sind. Seit Monaten habe ich daher keine Zeile zu Papier gebracht, die mal zu einer Geschichte, Erzählung oder einem Roman gehört. Wenn ich's recht überlege, bin ich seit gut einem Jahr 'nur' mit dem Schreiben und bearbeiten von Theaterstücken beschäftigt, die möglichst rasch fertig werden mussten. -- Ist schon komisch. Ich will und möchte, ja, kann eigentlich gar nicht nörgeln; dennoch scheint es sich so anzuhören. Die Arbeit ist wirklich wunderbar und unsere kleine Ensemble-Schloßturm-WG funktioniert prächtig. Der Juli nun hat es allerdings in der Tat in sich. 27 Auftritte. Allein fünf Doppel-Shows mit dem Kindertheaterstück. Dazu das Theaterfest kommenden Mittwoch, bei dem ich aus drei Stücken was vorspielen soll. Es is halt, als sei man bergsteiger, und merke, dass die Luft allmählich dünner wird.

August 2011 - Der Juli hatte es in der Tat noch ziemlich in sich, aber er ist geschafft. Das Kindertheaterstück ist abgespielt, somit die erste Produktion des diesjähigen Theatersommers vorerst ad acta gelegt, und ich bin im höchsten Maße zufrieden damit. Wie ich hörte, ist bisher noch kein Kindertheaterstück des FTS so oft in einer Saison gespielt worden wie unseres und die Resonanzen sind nahezu überschwänglich, so dass es nun schon beschlossene Sache ist, dass es nächstes Jahr wieder im Programm ist. Im Sonstigen ist es heikel, jetzt schon von Plänen der kommenden Spielzeit in Franken zu berichten, denn wie man so schön sagt: Nichts Genaues weiß man nicht. Und ich kann es verstehen, wenn hierzu vorläufig noch Schweigen verordnet ist. Allenfalls kann man nur verraten, dass mein Busch-Solo erneut dabei sein wird und somit ich, denn ich werde einen Teufel tun, mir dieses berufliche Geschenk, zu dem sich der Fränkische Theatersommer für mich entwickelt hat, nicht zu hegen und zu pflegen.