Ein jeder Narr tut was er will

Wilhelm-Busch-Soloprogramm

 

Ein Solo-Theaterstück mit Texten von Wilhelm Busch, über Wilhelm Busch, mit Wilhelm Busch

Regie: Jan Burdinski

Bearbeitung: Markus Veith

Fotos: Dietfried Moll, Lutz Götzfried, Barbara Pittner

 

Inhalt

Das Publikum besucht den Maler, Dichter, Philosophen und Humoristen in seiner Werkstatt. Busch, der nicht als ‚netter‘ Mensch gilt, vielmehr als schrulliger, lebenslang lediger Einsiedler, ist zunächst nicht begeistert davon, dass ihm jemand über die Schulter schaut, doch indem er in seiner humorvoll gereimten, gleichzeitig bissigen Gewitztheit über die Menschen, insbesondere Künstler, übers Malen und Dichten referiert, kommt er immer mehr ins Plaudern und bietet seinem Publikum mit seinen Geschichten um den ‚verhinderten Dichter Balduin Bählamm‘ und den ‚Maler Klecksel‘ durchaus einen comicartigen Einblick in die Arbeit und das Leben des großen Humoristen Wilhelm Busch.

Bühnenanforderungen:  ab 3m x 3m, Beleuchtung: einfach, weiß, keine Lichtwechsel.

Auch als Wohnzimmertheater machbar. Sprecht mich an.

Editorial

Im September 2010 rief mich Jan Burdinski, der Intendant des Fränkischen Theatersommers, an und offerierte mir: ‚Du spielst nächstes Jahr ein Wilhelm-Busch-Solo.‘ – Es war weniger eine Anfrage als vielmehr eine Aufforderung, der ich aber nur zu gerne nachkommen wollte. Zumal es nicht gänzlich überraschend kam, hatten wir doch schon Monate zuvor etliche Male über Leben und Werk des großen WB unterhalten. Jan stellte mir die Auswahl der Texte und die Konzeptionierung des Ganzen völlig frei; er wollte Regie führen.

Dann kam das Kopfzerbrechen. Wie sollte, konnte, müsste so ein Programm aussehen? Ich recherchierte im Netz, was es an Busch-Soli bereits gab und stieß auf eine enorme Anzahl Rezitationsabende, viele davon mit den üblichen Verdächtigen: Fromme Helene, Hans Huckebein, etc. Somit stand fest: Es soll ein Theaterstück sein, möglichst nicht mit allzu bekannten Geschichten. Ich wälzte das Gesamtwerk und merkte: Stoff gibt’s ohne Ende, wundervolle Storys, Gedichte und Bilder, voller Komik und Weisheit. Ich stieß auf Bählamm und Klecksel, einen Dichter und einen Maler, wie Busch selbst. Warum also nicht Busch selbst spielen, der über seine Arbeit erzählt und seine gereimten Geschichten selbst präsentiert? Somit wurde für mich aber auch klar: Dann muss Busch von Anfang bis Ende, selbst wenn er mit dem Publikum plaudert, in Reimform sprechen.

Nun, das Skript entstand. – Ich weiß nicht, ob man sich vorstellen kann, was es bedeutet, sich anderthalb Stunden Gedicht in den Kopf zu drücken. Ich lernte während einer Kindertheatertour, aber zum Beginn des Theatersommers hatte ich das Mammut im Hirn … und nach nur sechs Probentagen machten wir bereits erste Durchläufe. – Vorbereitung lohnt sich.

Bei der Premiere im Hollfelder Kino Kintopp, gab dann meine Hose, die die gesamte Probenzeit gehalten hat, bereits im ersten Teil des Abends ihre Substanz auf und lüftete ihr Innenleben, also mich, mittels eines monströsen Risses von gut 20 cm. Wir haben in der Pause versucht, das Malheur mit einem Tacker zu beheben, was selbstverständlich nicht hielt. Also musste ich mit diesem Lumpen auf die Bühne und hoffen, dass er mir nicht die Schau stahl. Jan versicherte mir anschließend, er habe kaum was gesehen und fügte unter amüsiertem Gekicher hinzu, er habe allerdings auch noch nie gesehen, wie sich jemand so geschickt zur Verbergung eines Hosenloches bewegen konnte.

Als Haupt-Referenz darf ich inzwischen angeben, dass ich mit dem Stück eine Art Ritterschlag erhalten habe. Ich spielte es am 15. April 2013, also Buschs 181. Geburtstag, direkt in seinem Geburtshaus in Wiedensahl, also ganz nah an seiner realen Schaffensstelle. Man lese hierzu auch den Artikel unten. Den Auftritt werde ich nie vergessen.

Presse

Münchner Merkur – August 2013 – Mittenwald
Was Veith auf der Bühne des Theaterraums im Mittenwalder Bahnhof präsentierte, war '75% Busch, 25% Veith', sagt er selbst. Die Grundlage sind Werke des Dichters, der 41-Jährige hat sie zu einem facettenreichen Bild zusammengesetzt, das eine Hommage und kritische Beleuchtung zugleich ist. Im Stück wird der Schauspieler zu 100% Busch. In den zwei Stunden wechselt er immer wieder zwischen dem Dichter und den Charakteren seiner Werke. Doch die rund 90 Zuschauer waren echte Busch-Fans, kannten jede seiner Zeilen und hatten somit keine Mühe, Veith zu folgen. Er mimte den Maler Klecksel ebenso charmant und ausdrucksstark wie Balduin Bählamm, den verkannten Dichter und zeichnete damit ein klares Bild von Busch als waschechten Junggesellen, der die Ehe verpönt. 'Manchmal bin ich auch ein Schwein, schön ist's, Junggeselle sein.' Doch Veith ist bei seinen Recherchen zu einem anderen Schluss gekommen. 'So ganz nehme ich ihm die Rolle nicht ab.' Und so lässt er den Dichter durchaus zweifeln, nachdenklich und betrübt über sein Leben sinnieren: 'Sehr verzwickt ist diese Welt, wunderlich, wem sie gefällt.' Für besonders große Freude sorgt er beim Publikum mit der Zugabe: Seine ganz eigene Interpretation von 'Max & Moritz', übersetzt ins Heute. - Janine Tokarski

 

Obermain Tagblatt – August 2013 – Bad Staffelstein
Zum insgesamt dritten Mal präsentiert Schauspieler Markus Veith seine Hommage an Wilhelm Busch nun im Brückentheater des Fränkischen Theatersommers. Wie auch bei den letzten Aufführungen ist das Stück „Ein jeder Narr tut, was er will“ bis auf den letzten Sitz ausverkauft. Ein hölzerner Klappstuhl, Reisekoffer, Garderobenständer, allerlei Malutensilien und ein einzelner verlorener Pantoffel in der Bühnenmitte bilden die chaotisch durcheinandergewürfelten Requisiten und spiegeln damit das Innenleben Wilhelm Buschs wider.
„Das Brückentheater ist auf jeden Fall die liebste Spielstätte des Theatersommer-Ensembles“, erzählt Schauspieler Markus Veith in der Pause zwischen zwei Zigarettenzügen. „Das Publikum ist einfach immer gut drauf und macht bei unseren Späßen mit.“
Der gebürtige Dortmunder schlüpft schon seit 2011 in die Rolle des Schriftstellers und kostet dabei jegliche Facette seiner Schauspielkunst aus. Ob knurriger Einsiedler, selbstherrlicher Raufbold oder melancholischer Lyriker – Markus Veith pointiert die Charakterisierung Wilhelm Buschs und seiner Wegbegleiter schon fast ins Absurde und erntet damit etliche Lacher. Die Begeisterung des 41-jährigen Markus Veith greift dennoch auf seine Zuschauer über, wenn er schwärmt: „Ich liebe dieses Stück einfach.“

 

Mindener Tageblatt, April 2013 - Wiedensahl
Grandioser Auswärtssieg zum 181. Geburtstag. Wenn Beifall das Brot des Künstlers ist, dann ist Markus Veith am frühen Dienstagmorgen gut genährt ins Bett gefallen. Gleich mehrfach gab es für den Schauspieler aus dem Ruhrpott Beifall "auf offener Szene", als er den Tusch auf Wilhelm Busch spielte.
In seinem Ein-Personen-Stück "Ein jeder Narr tut was er will", einer Zeile aus Buschs spätem Gedicht "Der Nöckergreis", gestattete er dem köstlich amüsierten Publikum einen Besuch in der Werkstatt des Malers und Zeichners, Dichters und Denkers. Dabei gelingt es Veith, sehr stark angelehnt im ersten Akt an den verhinderten Dichter Balduin Bählamm und nach der Pause an den gescheiterten Maler Kuno Klecksel, auf der Bühne ständig seine Position zwischen Schreibpult, Staffelei und Liegestuhl ändernd, das Multitalent Busch in vielen Facetten rüber zu bringen.
Veiths Busch, der quasi von einem seiner täglichen Spaziergänge durch die Wiedensahler Feldmark zurückkommt, ist zunächst wenig begeistert von den vielen Menschen, die ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen wollen. Doch bald arrangiert er sich mit ihnen, plaudert mit ihnen über Malerei und Dichtkunst, spielt mit ihnen. Er steht zu seinen Lastern von Pfeifen- und Schnupftabak über Bier und Rotwein bis hin zu härteren Getränken, philosophiert über die (fehlende) Anerkennung des Künstlers und gibt einen Einblick in "Handwerk" und Seelenleben gleichermaßen. Und hält den Sehleuten den Spiegel vor: "Euch hab ich aufs Maul geschaut!" Im durchgehend im Versformat vorgetragenen Monolog kommt so der aktuelle Bezug nicht zu kurz. Auch wenn der "Lebenslauf bald erzählt" ist, wird schon mal "gemerkelt". Mit wechselnden Jacken und Kopfbedeckungen springt Veith von Person zu Person, mischt die mit eigenen Versen verbundenen Busch-Zitate munter durch, ohne den Faden zu verlieren.

"Der heilige Antonius von Padua" begegnet "Krischan mit der Piepe". Und wenn der "Erzbischof von Köllen" seinen Auftritt hat, ist der karnevalistische Sprechgesang nicht zu überhören. Doch mit Klecksels Scheitern kommt nicht nur Kritik am Klerus über die Rampe. Dessen aktionsreiche Rache an ihm verbal "vermöbelden" Kritikus Dr. Hinterstich beim Aufmarsch in der Redaktion mit "Bleistift Numro 5 von Faber" als Waffe lässt das Publikum kichern, gurren und Schenkel klopfen. Und schließlich lang anhaltenden Beifall spenden, der einen physisch sichtlich geschafften Markus Veith immer wieder vor den Vorhang holt. Beeindruckt von diesem Erfolg, greift der zur Brille und zum Manuskript und schiebt als Zugabe seine modernere Adaption von Max und Moritz nach, die anno Jetztzeit ihre Bosheit an Rollatorbremsen und Duschköpfen austoben. Neuer Applaus! Dabei war der gebürtige Dortmunder zunächst skeptisch gewesen. So sehr es ihm eine "große Ehre" sei, am Busch-Geburtstag im Busch-Geburtshaus den Busch spielen zu dürfen, war ihm mit Blick auf fach- und sachkundige Besucher, die manchen angefangenen Dauerbrenner des Hausherrn genüsslich mitsprachen, doch ein wenig mulmig, hier punkten zu können. Am Ende war es ein grandioser Auswärtssieg. v. Friedhelm Sölter

Schaumburger Nachrichten – März 2012 – Bad Rehburg
Brillantes Schauspiel auf den Spuren des Menschen Wilhelm Busch, der wohl manchem eine neue Sichtweise auf Wilhelm Busch eröffnet. In die 90 gereimten Minuten aus seiner Feder hat Veith natürlich auch den ‚echten ‚ Busch eingebettet, denn was wäre ein Abend über Busch ohne einige der Verse, die ein jeder kennt? Den genialen Kauz spielt Veith überzeugend, haucht ihm eine knurrende Seele ein, zeigt seine bekannteste Seite - den scharfzüngigen Humor - sein aufbrausendes Wesen, seine Arroganz, zeigt aber auch die Tücken dieses Lebenswandels. Jenseits von ‚Max und Moritz‘ und der ‚Frommen Helene‘ hat Veith sich dabei aber auf die Passionen Buschs verlegt: der verhinderte Dichter ‚Balduin Bählamm‘ werde wohl ähnlich wie der ‚Maler Klecksel‘ einige Seiten Buschs widerspiegeln, meinte Veith und baute beide Texte in sein furioses Schauspiel ein.
Und so wie Veith mit Bravour den verzagten Bählmann spielte, so schaffte er auch mühelos den Wechsel zum brummelnden Busch. Dessen Lebensresümee legt Veith indes in einen einzigen Satz. Donnernd beginnt er diesen Satz, um verzagt und leise zu enden: „Wer einsam ist, der… der hat es gut.“

Der Westen – März 2012 – Westerholt
Veith kommt mit wenigen Requisiten aus und heischt nicht nach Effekten, es regiert das Wort. Shakespeare-artig rezitiert er den Text, ausdrucksvoll, launig und frei, das muss man erst mal hinbekommen ohne Mitschauspieler. Das Publikum spendet stehend Beifall.

Obermain-Tageblatt – April 2011 – Bad Staffelstein
M. Veith nimmt seine Zuschauer mit in die Werkstatt des tiefernsten Grüblers und Philosophen, der als großer Humorist galt und weder dem Tabak noch dem Alkohol abgeneigt war. Das karge Bühnenbild lässt ahnen, wie die Künstlerstube des Wilhelm Busch ausgesehen haben könnte. Er schlüpft in die Figuren, wagt den Versuch, sich der vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit zu nähern. Wenige Sätze genügen und beinahe jeder im Publikum kann den Vers beenden: "Ritzeratze, voller Tücke" - "in die Brücke eine Lücke", weiß das Publikum. Das schafft Nähe und Atmosphäre, die rund 90 Minuten anhält und auch durch die oblgatorische Paise nicht zerstört wird. Die Bildergeschichten von Busch setzt Veith mit vollem Körpereinsatz, doch immer mit einer gehörigen Portion Respekt vor dem großen Genie um. Veith verleiht den Reimen von Wilhelm Busch eine völlig neue Ausdruckskraft, sei es als Betrunkener mit anschließendem Katzenjammer oder als Maler Klecksel. Wenige Requisiten genügen, um all die vielfältigen Charaktere darzustellen. Palette und Pinsel, eine Staffelei, ein Stuhl, mehr nicht; den Rest besorgen Gestik und Mimik. Das Wilhelm-Busch-Programm war ein wunderbarer Einstieg in die neue Saison, was sich auch im lang anhaltenden Applaus niederschlug. Gerda Völk


Neue Presse – April 2011
Einfach köstlich, wie Veith mit vorzüglicher Schauspielkunst die bekannten 'Strichmännchen' des alten Busch zum Leben erweckt. Von der lärmenden Kinderschar bis zum grillenhaften Philosophen, ganze Scharen bevölkern das Brückentheater, obwohl Veith allein über die Bühne tollt.

 

 

  • Historie:

 

 

Februar 2011 - 'Ein jeder Narr tut was er will' ist im Groben fertig. Am zweiten Akt müssen wir noch feilen, aber der erste ist nach einer textbrütenden Nacht im Schloßturm nun abgesegnet und ich muss ihn jetzt natürlich lernen, denn ab der zweiten März-Woche beginnen die Proben. - Es macht Spaß, Wilhelm Busch zu lernen, aber es ist auch nicht ganz einfach. Die Reimform erleichtert zwar das Einprägen, doch muss auch die Versmelodie eingehalten werden, somit jedes Wort, jede Silbe an der richtigen Stelle stehen. Keine Improvisationen. - Aber das Ding wird super, glaub ich! Bisher habe ich 20 Seiten intus und bin damit ganz gut im Plan. Ich sehne mich so sehr danach, endlich mit den Proben zu beginnen. Noch zwei Tage für Kinder nach Süddeutschland. Die Gage dieser Tour wird mir den März ermöglichen, in dem ich nahezu nichts verdiene.

März 2011 - Noch knappe fünf Seiten, dann habe ich den Text des neuen Solos im Kopf. - Holla, anderthalb Stunden Gedicht sind wirklich eine verdammte Menge Input, und ich verzweifle oft an Sätzen wie: "Wenn wer sich wo als Lump erwiesen, so bringt man in der Regel diesen zum Zweck moralischer Erhebung in eine andere Umgebung." Puah! - Aber gut, ich habe es ja so gewollt. Doch der erste Akt ist inzwischen ziemlich sicher und bis die Proben den zweiten Akt erreichen, kann sich der ja noch festigen. So lange lasse ich das Kinn sprießen, damit ich zumindest die Premiere mit angenähertem Busch-Vollbart spielen kann. Danach brauche ich nur noch ein Foto fürs Plakat und werde das Gestrüpp auf eine Affenschnauze reduzieren. In vier Tagen fahre ich nach Oberfranken und dann kann es losgehen. Neben der Vorbereitung habe ich einen neuen Auftritt in der Schauburg klarmachen können, worauf ich mich jetzt schon enorm freue, denn die Schauburg ist das letzte wirklich aktive Programm-Kino in Dortmund und hat einen wundervollen Saal. Wird Spaß machen dort. Das wird dann meine Heimat-Premiere.

April 2011 - Ein jeder Narr ... hat die Premieren-Bühne erklommen und das mit einem recht ansehnlichen Erfolg. Lob aus allen Ecken. Ich bin sehr zufrieden damit. Ich umschreibe es derzeit gerne als 'Kindertheater für Erwachsene', denn das trifft es recht gut. Es ist eine kurzweilige Abendunterhaltung geworden, sowohl mit Slapstick, als auch mit Tiefgang, kurz: genau die Mischung, die ich stets angestrebt habe. Und es funktioniert tatsächlich, die Bildergeschichten des großen, alten Humoristen zum Leben zu erwecken. Das Stück war in der Rekordzeit von nur sechs Tagen durchinszeniert. Bereits eine Woche vor der Premiere beraumten wir eine öffentliche Probe an, um es zu testen. Ich rechnete mit vielleicht vier, fünf Leute; es kamen schließlich ganze zwölf, alles Kollegen, also kritische Menschen vom Fach, und prompt schlug mein Lampenfieber Rot-Alarm. Aber es klappte ganz gut und ich war danach um einiges beruhigter. Jan und ich feilten noch nach und schließlich waren wir üppig vor der Premiere fertig. Eine Anekdote am Rande: Bei der Premiere des Solos im Hollfelder Kino Kintopp (übrigens eine wundervolle Bühne in herrlichem Kinosaal-Ambiente) bemerkte ich während des ersten Aktes, dass eine bestimmte Körperstelle mehr Luftzufuhr genoss, als es ihr in dieser Situation (Die Show muss weitergehen!) zustehen sollte. In der Pause eilte ich zu meinem Regisseur und bat ihn verzweifelt, irgendetwas aufzutreiben, Nadel & Faden, Sicherheitsklammern, Tacker, egal, irgendetwas, um dieses gewaltige Loch zu stopfen, welches sich in der Hose an prekärer Stelle aufgetan hatte, nachdem das Textil die gesamte Probenzeit so tapfer an sich gehalten hatte. Fazit: Tackerklammern halten an jener Stelle längstenfalls 5 Minuten. Nach der Vorstellung äußerten einige amüsierte Zuschauer ihr Lob darüber, wie geschickt ich es verstanden hätte, den kaum übersehbaren Riss durch Drehungen bestmöglichst zu verbergen.

Oktober 2011 - Die NRW-Premiere mit Ein jeder Narr... in der Dortmunder Schauburg war großartig. Nicht ausverkauft, aber doch üppig gefüllt. Der Auftritt war mir enorm wichtig, die Bewährungs-Probe, ob 'der Busch' auch außerhalb von Franken funktioniert. Ich hoffte auf ein Grünlicht-Gefühl, das Stück auf Deutschland loszulassen. Ganz klar war da auch der Drang, in meiner Heimatstadt zu präsentieren, was ich da Neues fabriziert habe. Die Vorstellung lief bestens, und dass ich in einer Szene mit dem Fuß durch ein marodes Lüftungsgitter im Boden krachte natürlich das einzige, welches wir zuvor nicht abgedeckt hatten tat der Stimmung keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: es passte an der Stelle im Stück vortrefflich und ich machte einfach weiter: OK, wir steigen nochmal an bei Klirrbatsch. Ein schönes, kleines Highlight war für mich die Äußerung der Schauburg-Kassiererin, sie habe selten bei einer Aufführung die Leute so begeistert gesehen. Da unter anderem auch der Chef von Melange (der poetische Name für die 'literarische Gesellschaft zur Förderung der Kaffeehauskultur) im Publikum saß, darf ich nun höchst zufrieden mitteilen, dass ich demnächst auch im Rahmen des Melange-Programms mit dem Busch-Stück auftreten werde. Auch ein Auftritt im schönen Spiegelslust-Turm in Marburg war hübsch erfolgreich und es steht auch dort ein Wiederholungstermin an. Kurz: Das Stück setzt bisher seinen wenn auch lang- und behutsamen so doch stetigen Aufstieg weiter fort und ich bin darüber höchst erfreut.

November 2011 - Erstmals darf ich behaupten, dass eine Vorstellung überausverkauft war. Nun gut, ich gestehe: In dem kleinen Raum im Hertener Heimatmuseum war nur für 30 Zuschauer bestuhlt. Aber 31 waren da! Und die waren hellauf begeistert, möcht ich ohne Einschränkung behaupten. Die Aufführung dort war quasi ein Test, denn in der Vorplanung bestanden Skrupel, wo man das Stück spielen sollte, in dem doch recht engen Museumsraum oder im Kolping-Haus, wo über 100 Leute reingehen. Ich machte den Vorschlag, auf Nummer Sicher zu gehen und erst im kleinen Rahmen zu schauen, wie schnell die wenigen Karten weg gehen und wie das Stück ankomme, um danach mit dem Rückenwind der Mund-Werbung den Sprung in den größeren Saal zu wagen. Ich würd sagen, das Stück hat die Hürde geschafft und es ist nun ziemlich sicher, dass ich im Frühjahr nochmal in Herten im großen Saal spiele. Nawollja! (c) Gestern fuhr ich nach Niedersachsen, da ich heute in Garbsen einen Auftritt mit dem 'Konzert' hatte. Ich nutzte die Gelegenheit, um nach nicht weit entfernten Wiedensahl zu fahren, wo sich das Geburtshaus von Wilhelm Busch befindet. Anbei ein wirklich entzückendes Museum. - Es ist schon ein sehr seltsames Gefühl gewesen, durch jene Zimmerchen zu gehen, über die alten Dielenbretter, die Hand auf den alten Schreibtisch zu legen. Ich glaube, es gibt den Begriff 'genius loco', die Seele eines Ortes, die man verspürt. Für mich war sie dort in den alten Räumen sehr präsent und es fällt mir schwer mit Worten zu verdeutlichen, wie intensiv es ist, wenn man als Schauspielermit mit einem Charakter verschmolzen ist, der eine historische Persönlichkeit war, sich mit ihm identifiziert, ihn zum Leben erweckt, als dieser fühlt und agiert ... und dann plötzlich in den Räumen steht, in denen dieser Mensch gelebt und seinen Geist hinterlassen hat. Gänsehaut!

Januar 2012 - Ein unglaublicher Abend! Noch nie kam habe ich es erleben dürfen, dass vor einer Aufführung Leute nicht eingelassen werden konnten, weil es zu voll war. Ein seltsam unbehagliches Hochgefühl. Aber der Raum fasst halt nur 90 Zuschauer, 110 waren letztendlich drin, etwa 130 hätten es sein können. Ich habe schon vor mehr Menschen gespielt, aber weiß Gott: Es ist etwas ganz anderes, wenn man allein vor ihnen auf der Bühne steht und das Stück auch noch von einem selbst ist. Und das Publikum war sagenhaft gut gelaunt. Ich brauchte sie nur anstubsen und nahezu jede Pointe zog. Toll! Toll, toll, toll! Auf Holz getollt, dass es so weiter geht.

März 2012 - Auftritt in Herten, diesmal im Kolpinghaus. Bisheriger Besucherrekord: 145 Zuschauer. Yeah! Es war großartig; erstmals musste ich mit Head-Set spielen. Ich bin nach Hause und in meinen Geburtstag hineingeschwebt.

Juni 2012 - Das Stück macht mich weiterhin stolz. Zum einen, weil nun schon zwei Auftritte damit beim Theatersommer ausverkauft waren, zum anderen, weil ich neulich Nachricht erhielt, dass im Juli bei einem Auftritt im Weingut Wagner (in Essenheim bei Mainz) der bisherige Zuschauerrekord sensationell geknackt wird. Bisher weiß ich von 200 Kartenvorbestellungen, 250 können es werden. Yehaa! Ich hab mir jetzt mal ein neues Headset-Mikro zulegt.

Juli 2012 - Gestern war dann jener Auftritt im Weingut Wagner in Essenheim bei Mainz. Es sind tatsächlich 250 Zuschauer geworden, die schon zwei Stunden vor Beginn eingelassen wurden und im Innenhof mit dem wirklich deliziösen Wagner-Wein vorglühten. (Dazu gab es, hübsch passend; Bolte-Burger.) Entsprechend gut drauf waren sie zu Beginn der Vorstellung und haben nahezu auf jede Pointe reagiert. Es war wirklich unglaublich! Stehende Ovationen zum Schluss und ganz viel Lob und Angebote zur Weitervermittlung. Ich bin anschließend noch die zweieinhalb Stunden zurück nach Franken gefahren, aber es war mehr ein Schweben, so aufgepuscht wie ich war.