Einst, um eine Mittnacht

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Solo-Theaterstück nach Edgar Allen Poe

Inhalt

Edgar Allan Poe… schon der Name verursacht Schauerstimmung und Gänsehaut, erinnert an lebendig Begrabene, an alte Gemäuer, die in stürmischer Nacht im Moor versinken, an dröhnenden Herzschlag unter den Fußbodendielen und natürlich an den Raben, der im Gedicht sein „Nimmermehr“ krächzt. Dieser düstere Vogel selbst ist es, der das Publikum auf humorvoll-gruselige Art in beklemmende Sphären entführt… „Und es hebt sich aus den Schatten, von dem Estrich dumpf und schwer, jede Seele … nimmermehr …“

 

Regie:      Amelie Auer
Puppen:   Thomas Glasmeyer - www.thomas-glasmeyer.de
Sounds:   Alexander Terzakis - www.alexterz.com
Bilder:      Christian Turk - www.christianturk.de
Kostüm:  Anna Maria Max - www.atelier-angemessen.de

Fotos: Fränkischer Theatersommer, Christian Wagner

Eine Produktion des Fränkischen Theatersommers

Der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=fHDT8G8eV00

 

 

 

 

Presse

"Solostück zum Gruseln" - Bayerische Rundschau - 13. März 2018

Ein Stück wie dieses hat es auf der Bühne des Schlosstheaters Thurnau noch nicht gegeben. Beklemmend, aber dennoch heiter - wenn auch ganz anders als sonst. Ein Stück, das einen verfolgt, das sprachlos macht und gleichzeitig mitfühlen lässt. Als Gruselkkmödie angekündigt ist "Einst, um eine Mittrrnacht" viel mehr als das. (...) Grausam, aber stilvoll, ohne billige Tricks, mit dem Veith ureigenen Hang zum Zynisch-Komischen. Es regt die Phantasie an in einer Grusel-Dosis, die man gut verkraften kann. Mit einem Horrorfilm nicht zu vergleichen. (...) Etwas Ähnliches gibt es wohl selten zu sehen. Ein Stück, das nachwirkt und an das man sich lange erinnern wird.      v. Katharina Müller-Sanke

 

"Der Rabe führt durchs Gruselkabinett" - Frankenpost - 02.09.2015

Markus Veith glänzt auch in der Finsternis von Edgar Allan Poe. In der Aufführung "Einst um eine Mittnacht" überzeugt er durch Wandlungsfähigkeit und Humor.

Neudrossenfeld - Da hätte der Altmeister Edgar A. Poe wohl auch seine Freude gehabt. Markus Veith nahm die Besucher mit in die Welt des Autors berühmt-berüchtigter Gruselgeschichten, ließ sie teilhaben an den düsteren Geschehnissen, die dessen genialer Geist erschuf. Dabei glänzte Veith mit einer passionierten, stürmischen Darbietung, ließ die kriminelle Energie der verwerflichen Figuren förmlich durch den Raum schweben, sorgte mit bösem, trockenem Humor aber auch für mancherlei Lacher im Publikum. (...) In einer famosen Leistung schlüpft Markus Veith, der die Gruselkomödie selbst verfasste und hierzu die Texte von Edgar A. Poe in eine Reimform verwandelte, in die verschiedenen Rollen und bringt so dem Publikum fünf Werke näher. (...) Eine besondere Note verleihen der Aufführung die von Thomas Glasmeyer gefertigten Puppen, die Markus Veith geschickt in die einzelnen Szenen mit einbringt, sie fast als selbst agierende Schauspieler auf der Bühne behandelt, sich mit ihnen in Dialogen verstrickt.  (...) MV präsentiert sich in "Einst um eine Mittnacht" in seiner ganzen wandlungsfähigen schauspielerischen Vielfalt, spielt Hoffnungslosigkeit und Seelenschmerz ebenso überzeugend wie er bösartige, heimtückische Wesenszüge lebendig werden lässt, verzückt aber auch mit bitterbösem, schwarzem Humor und bizarrer Komik. (...) Dramaturgisch exzellent in Szene gesetzt ist das Stück, für dessen Regie Amelie Auer verantwortlich zeichnet, nicht zuletzt auch durch die gelungenen musikalischen Einspielungen. Ein Stück, das Edgar Allan Poe wohl mit zwei einfachen Worten beschreiben würde: teuflisch böse - beziehungsweise gut.              von R. Unger

 

"Zwischen Grusel und Komödie" -- Nordbayerischer Kurier – 02. Juli 2015

Im Grunde hätte der Rabe sagen können, was er will. Nur eben nicht „Nimmermehr“. Es ist das falscheste, was man über die Gruselkomödie „Einst um eine Mittnacht“ von M. Veith (Regie: Amelie Auer) sagen kann. In seinem Ein-Mann-Stück krächzte, flüsterte und brüllte sich der Dortmunder Schauspieler und Autor durch fünf Werke des Grusel-Literaten Edgar A. Poe. Und nicht mal Sonnenschein und Vogelgezwitscher konnten ihn davon abhalten, gruselig zu sein. Von einer Sekunde zur anderen wechselt Veith als der Mörder aus „Das verräterische Herz“ von rasender Wut zur Verzweiflung und von listiger Verschlagenheit wieder zurück zur rasenden Wut. Dann wieder schleicht er als Rabe über die Bühne (Kostüm: Anna Busch), krächzt schaurig von der Vergeblichkeit allen Tuns und wechselt sofort wieder zum zu Tode erschrockenen Trauernden. Der sich dann darüber ärgert, dass der Rabe ihm auf den Schreibtisch gekackt hat.

Denn Veith ist nicht nur gruselig, sondern hat auch einen Hang zur absurden Komik. (...) Wenn schnelle Dialoge den Personenwechsel unmöglich machen, greift Veith auf grandiose Puppen zurück (geschaffen von Thomas Glasmeyer), die fast schon eine eigene Parodie des Grusel-Geschehens darstellen. Was auch für die Ahnengalerie Roderick Ushers (gemalt von Christian Turk) gilt, die nicht ganz zufällig berühmten Gestalten des Horror-Genres ähneln. (...) Unterstützt wird er von Lichteffekten und Gruselgeräuschen von Alexander Terzakis. Man möchte dem Raben zurufen: „Vergiss dein 'Nimmermehr'!“ In diesem Fall wäre „Gerne wieder“ deutlich angebrachter. Sarah Bernhard

 

 

Entstehungsgeschichte:

Es ist viele Jahre her, da wurde mir auf einer Party „Der Rabe“ in die Hand gedrückt. Ich fing an zu lesen und prompt war für die Länge dieses Gedichtes alles andere um mich herum wie ausgeschaltet, so sehr fesselte es mich. Und das, obwohl ich zu jener Zeit noch nicht allzu viel mit Lyrik am Hut hatte. Ein paar Jahre später war ich Teil einer Produktion des 'Theaters Labyrinth' – ich meine, der Titel war „Liebe, Blut und Leidenschaft“ – die aus vielen kleinen Szenen bestand, die alle irgendwas mit diesen Themen zu tun hatten. Hierfür brachte ich erstmals den „Raben“ als Mini-Theaterstück auf die Bühne. Wiederum ein paar Jahre später verhalf mir das so umgesetzte Gedicht quasi dazu, Schauspieler zu werden, denn ich nutzte es für das Vorsprechen, das mich in ein professionelles Ensemble bringen sollte. An jenem Tag begegnete ich erstmals Tony Glaser und hatte zuvor gar nicht recht realisiert, dass er Amerikaner ist. Die Tragweite wurde mir erst bewusst, als ich ihm den Titel nannte und sich erstmal seine Brauen überrascht in die Stirn schoben, er sich zurücklehnte und grinste: „Lass sehen.“ Einem amerikanischen Regisseur DEN Lyrik-Klassiker seines Landes zu präsentieren, war schon recht gewagt. Aber er ließ mich das komplette Stück von 20 Minuten Länge abspulen. – Nun ja, dies am Rande.

Bereits während der Theatersommer-Saison 2013 äußerte ich die Idee, die zahlreichen Schlösser, Gewölbe und anderen Spielorte für ein Gruselstück zu nutzen. Da mein Intendant davon gleich angetan war, schmökerte ich alle mögliche Grusel-Literatur, vor allem Anthologien. In jeder davon war stets mindestens eine Story von Poe dabei. Also lag der Entschluss nahe, das Stück inhaltlich nicht zu mischen, sondern rein bei diesem Altmeister zu belassen. Selbst diejenigen, die nie eine Geschichte von Poe gelesen haben, haben allein bei der Nennung des Namens gleich Bilder im Kopf und wissen ihn dem Grusel-Genre zuzuordnen. Auch erkannte ich, wie unglaublich groß die Fan-Gemeinde der Poe-Liebhaber ist, und dass sie nicht nur die Älteren betraf. Diese Liebhaber sind nur alle weitestgehend unsichtbar, denn der Mann schreibt ja nicht mehr allzu viel Neues.

Aber welche Storys sollte ich in das Stück nehmen? „Der Rabe“ war natürlich Pflicht. Aber beim Durchschmökern des Gesamtwerkes wurde mir klar, dass es nichts bringen würde, weniger bekannte Geschichten zu nutzen. Poe verschwurbelte sich in seinen Handlungen oft in wissenschaftlichen und philosophischen Erklärungen, sein Humor ist ab und an bemüht und schwierig und die Gruselgeschichten haben nicht selten eine depressive Schwere. Ich wollte dem Ganzen etwas Pep zu verleihen. – Könnte man hieraus tatsächlich eine Komödie machen? Sogar in Reimform? Aber warum (nach Busch und Eulenspiegel schon wieder) in Reimform? Solche Sprache muss eine Begründung haben: Doch was nun, wenn dieser Vogel ein wahrer Klugscheißer wäre, aus der Handlung ausstiege und mit dem Publikum spräche, ein bisschen über seinen Schöpfer referiere, (der ihn mit dem bekannten „Nimmermehr“ auf ein Wort Sprechtext reduziert hat, was ihn ziemlich anpissen würde,) und dann weitere Geschichten quasi nachspiele? Das reichte mir als Begründung.

Während der Saison 2014 lernte ich Amelie Auer kennen und bemühte mich, sie als Regisseurin zu gewinnen. Ich fragte Thomas Glasmeyer, ob er mir Puppen herstellen könne. Im Winter zuvor hatte ich versucht, zwei Poe-Geschichten („Die schwarze Katze“ und „Das verräterische Herz“) zu einer 'zusammenzuschieben', denn im Grunde mochte ich beide, konnte aber wegen der vielen Gemeinsamkeiten nicht beide verwenden. Aber es gelang und so machte ich mich über den Sommer bereits ans Schreiben. Die Vollendung des zweiten Aktes verzögerte sich durch meinen Umzug, dennoch wurde ich vor Neujahr fertig. In Alexander Terzakis – eh schon erfahren in der Vertonung von Grusel – fand ich einen sehr bereiten Ton-Zauberer und wir lasen schon mal erste Passagen ein. Außerdem hatte ich inzwischen die Verfilmung von „Der Untergang des Hauses Usher“ mit Vincent Price gesichtet und war höchst angetan von der Ahnengalerie, die in der Originalstory gar nicht vorkommt. Infolgedessen kam nicht nur die Idee, Christian Turk mit ins Boot zu holen – einer meiner besten Freunde und ein billanter Comic-Zeichner – sondern auch, aus der Galerie eine Hommage zu machen.

Ein Konzeptionstreffen im Winter mit Amelie und Thomas machte wieder mehr Mut, denn nicht nur lachten wir recht viel; die beiden griffen auch nahezu alle meine Ideen auf und sponnen sie weiter. Dennoch machte ich mir inzwischen etwas Sorgen. Obwohl mir alle Beteiligten wirkliche Freundschaftspreise machten, wurde das Projekt zunehmend teurer. Aber ich merkte auch: Jeden Cent wird es wert sein. Heute weiß ich: Jau, stimmt.

Ist das Merken, vielmehr das Auswendiglernen von viel Text, zudem gereimten, für Zuschauer offenbar ein Ding, irgendwo zwischen Wunder und Selbstkasteiung, so war es diesmal auch für mich eine ziemliche Folter. Ich wollte einen Unterschied zu den bisherigen beiden gereimten Stücken. Poe experimentierte mit Reimstrukturen herum. Dies wollte ich auch. Oder zumindest ab und an im Text etwas aufblitzen lassen, dass sich im Rhythmus abhob. Trotzdem musste es leicht verständlich bleiben. Ihr werdet es merken, wenn Ihr das Stück seht. – Nichtsdestotrotz: Dies auswendigzulernen war die Hölle. Das ich selbst den Text geschrieben hatte, machte die Sache nicht leichter; im Gegenteil.

Die Inszenierungsproben konnten dann im März in Franken starten, nachdem ich von Thomas die gefertigten Puppen und Bühnenbildelemente abgeholt hatte. Die Zusammenarbeit mit Amelie bei den war wundervoll. Obwohl es – darauf hatte ich sie vorbereitet – womöglich unbefriedigend für sie hätte werden können, denn jeder, der ein Stück spielen soll, dass er selbst geschrieben hat, hat automatisch schon eine Vorstellung im Kopf. Aber wir sind, meine ich, beide ziemlich gut damit umgegangen. Oft lief es so ab, dass ich mir zwei Probentage allein erbat, weil ich erstmal 'mit der Materie kämpfen' musste. Nicht nur mit Raum, Text, Spiel, dem ganzen normalen Bühnen-Trara: Ich bin ja kein Puppenspieler. Thomas hatte mir ein paar Griffe gezeigt, wie meine neuen Bühnenpartner zu händeln wären, aber bis das alles annähernd flüssig funktionierte … der Probenraum im Alten Hollfelder Amtsgericht hat sicher einige neue Flüche gelernt. Dann hab ich es jedenfalls Amelie vorgespielt und sie hat wiederum an dieser 'Substanz' mit Blick von außen gefeilt. Klappte bestens. Bis auf ein Dilemma … Es zeigte sich, dass es nahezu unmöglich war, die Technik (Lichtwechsel, vor allem aber über 30 Sound-Einspielungen) von der Bühne aus zu starten. Erst hat mich dieser Umstand selbst verärgert, bedeutet es doch, dass ich bei allen Aufführungen immer auch für einen Techniker sorgen muss. Nunmehr stelle ich aber fest, wie angenehm das doch ist, denn so muss ich das schon recht üppige Equipment nie alleine schleppen und es ist auch viel schöner, zu zweit auf Tour zu sein. Und das Stück ist dahingehend auch für jeden Techniker interessant, da Sound und Licht mehr als bei manch anderem Stück auf die Handlung einwirken; er spielt quasi mit.

Die Premiere war relativ bescheiden, was die Aufmachung betraf. Das Brückentheater in Bad Staffelstein war schon für „Eulenspiegels Enkel“ der Ort der ersten Aufführung. Beruhigend für mich: Dort ist's immer voll und das Publikum äußerst dankbar. Daher lief die Premiere auch recht gut. Dennoch fand ich es äußerst schade, dass der Theatersommer, (wie leider schon beim 'Eulenspiegel') irgendwie den doch naheliegenden und werbe- und pressetechnisch erträglichen Umstand verpasste, dass es sich schließlich um eine Uraufführung handelte.

Das Stück hatte – wie jedes oft am Anfang – erst ein bisschen Schnupperzeit; sprich: es musste sich erst rumsprechen. Aber die Leute waren immer begeistert und schließlich kamen die Zuschauer aus allen Ecken und der Großteil der Aufführungen war gut besucht bis ausverkauft, ab und an mussten gar Leute wieder gehen, weil einfach keine mehr reinpassten. Beim ersten auswärtigen Auftritt im Weingut Wagner in Essenheim waren es über 170, in Bamberg (trotz Gewitterwarnung) an die 100. (Ja, das ist verhältnismäßig viel.) Die Rechnung mit den Spielorten ging ebenfalls auf. Die Kapelle auf Burg Wiesentfels, der Rittersaal auf Burg Rabeneck, unterem Torbogen von Schloß Geyerswörth, vor den Ruinen in Bärnfels … geile Stimmung, jedes Mal.