Theatersommer15

 

Fränkischer Theatersommer 2015

 

www.theatersommer.de

 

DER EINGEBILDETE KRANKE“ - Komödie nach Molière

meine Rolle: Doktor Purgon

Der gute Bürger Argan wird sehr geplagt von diversen Krankheiten – eingebildeten Krankheiten, wie seine unmittelbare Umgebung längst erkannt hat. Seine Hypochondrie geht einher mit einer entsprechenden Abhängigkeit von den Heilberufen, was sich für Apotheker wie Ärzte als einträgliches Geschäft erweist. Als er aus Eigennutz seine Tochter unbedingt mit einem Arzt vermählen will, ergeben sich muntere Verwicklungen, in deren Verlauf auch die heilende Zunft ihr „Fett“ abkriegt.

Meine Spielpartner: Thomas Glasmeyer, Heidi Lehnert, Laura Mann, Bettina Wagner, Marina Esslinger, Marc Borchert, Stephan Bach, Clarissa Hopfensitz

Regie: Jan Burdinski



 

WAS EUCH GEHÖRT“ - von Roald Hoffmann

meine Rolle: Emil Pressner

Das Stück erzählt in Rückblenden die Geschichte von Frieda Pressner und ihrer Familie, die als Jüdin den Holocaust überlebt habt. Wie viele Überlebende dieser Zeit hat Frieda nie über ihre traumatischen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg reden wollen. Hartnäckige Fragen ihrer Enkel und der spontane Besuch eines Mitglieds, der ukrainischen Familie, die Frieda und ihren kleinen Sohn damals versteckt hielten, wirbeln die alte Dame ordentlich durcheinander. Sie muss sich nach so vielen Jahren endlich damit auseinandersetzen. Die Fragen bleiben: Wie kommt man mit diesem großen Verlust zurecht? Wie wichtig ist Erinnern und Vergessen auf dem Weg zum Vergeben? Ist die Wahl zwischen Gut und Böse immer richtig?

Meine Spielpartner: Marsha Cox, Heidi Lehnert (Kirsten Lange 2014), Laura Mann, Bettina Wagner, Alexander Boock, Axel Eichhorn, Lars Eichhorn, Karin Schubert (Karolin Barczyk 2014)

Regie: Jan Burdinski

Presse:

Die Zeitzeugen, das sind die Menschen, die den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust, all die Gräuel und Untaten dieser schrecklichen Zeit miterlebt haben. Die Menschen, die ihre persönlichen Schicksale und oftmals grauenhaften Erlebnisse schildern können, was auch nach etlichen Erzählungen noch schockiert. Roald Hoffmann ist einer davon. Der Chemie-Nobelpreisträger hat den Holocaust als kleiner Junge erlebt und seine Erinnerungen in dem Theaterstück „Was euch gehört“ festgehalten. Ein hartes Stück, das vor allem aufgrund seiner Ehrlichkeit tief berührt.“(Nordbayerischer Kurier, 29.09.2014)



 

Editoriales:

Es mag verwundern, warum das Jahr 2015 des Fränkischen Theatersommers auf meiner Seite weitaus dünner ausfällt, als vor allem das Jahr zuvor. Das liegt zum einen daran, dass etliche Stücke übernommen wurden. Auch „Was euch gehört“ wurde eigentlich schon 2014 inszeniert, kam aber erst dieses Jahr mehrmals auf die Bühnenbretter. Zum anderen habe ich mein Solo „Einst um eine Mittnacht“ inszeniert, welches hier eine eigene Sparte hat. Von dem Poe-Stück, „Was euch gehört“ und „Der eingebildete Kranke“ abgesehen, spielte ich zudem wieder in „Der zerbrochene Krug“, „Zwei waagerecht“ und eben meine anderen beiden Solo-Stücke, also in sieben Produktionen, insgesamt um die sechzig Auftritte. Nein, ich konnte mich nicht über Langeweile beschweren.

Was dieses Jahr besonders machte, war, dass ich in der Probenzeit relativ unabhängig war, da Amelie Auer und ich im Amtgericht zu Hollfeld für uns am Poe-Stück inszenierten und die anderen Ensemble in Sankt Gangolf werkelten. Auch nahmen meine Solo-Stücke fast die Hälfte aller Auftritte in Anspruch, somit war ich oft auch allein unterwegs oder hatte meinen Techniker Herbert dabei.

Nichtsdestotrotz: Alexander Voss, mit dem ich fünf Jahre lang die Sommerresidenz teilte, war nicht mehr mit dabei und fehlte sehr; auch das Café „Märchenwinkel“, im Jahr zuvor die Auftank-Oase schlechthin, gab es nicht mehr und somit fielen auch die stundenlangen Gespräche mit den Zielinskis aus.

Aber auch das muss ich gestehen. Manchmal gibt es Theaterstücke, die sind für mich als Schauspieler reine Jobs, die ich 'nur' nach Kräften abarbeite. So hat „Der eingebildete Kranke“ zwar durchaus Spaß gemacht, vor allem, weil das Ensemble wieder einmal enorm gut funktionierte. Dennoch hat mich das Stück nicht dazu gebracht, meine Meinung über Molière zu verbessern. Der Plot ist in mehreren Stücken nahezu identisch, (er hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Namen zu ändern,) die Figuren sind eindimensional und das Ende meist an den Haaren herbeigezogen. Mit einem guten Ensemble kann man was draus machen, aber meine Meinung nach liegt das wahrlich nicht an Molières Stücken selbst. - Aber hey, was den Leuten Spaß macht, hat seine Berechtigung.

Dieses Jahr offenbarte sich auch ein für mich immer noch seltsamer Umstand. Öfter denn je kamen Zuschauer in der Pause oder nach der Aufführung zu mir, sagten in welchen Stücken sie mich schon gesehen hätten, gar schon wiederholt, und welche ihnen noch 'fehlten'. – So etwas erfreut mich selbstverständlich. Dennoch: Für ein Kind der Dortmunder Mittelklasse bleibt es ein komisches Ding, plötzlich das Gefühl zu haben, man werde mehr und mehr prominent und Menschen kommen nicht allein, um einen netten Theaterabend zu genießen, sondern auch für den Akteur, der ihn bestreitet. Ich möchte so lange damit beruhigt einverstanden sein, wie ich selbst mit meiner Arbeit und der eigenen Leistung einverstanden bin.