Presse-Artikel zur eigenen Person

BODO – Oktober 2013
In der bodo-Kulturreihe „Zweiter Freitag“ hatte Markus Veiths „Eulenspiegels Enkel“ im März Premiere. Am 18. Oktober füllt der Schauspieler und Regisseur die Dortmunder Schauburg. Auf der Bühne: Nur er selbst, wenige Requisiten und ein Held, mit dem er durchaus das eine oder andere gemeinsam hat. bodo sprach mit dem Dortmunder über Durststrecken, Reimzwang und Fähnchen auf einer Landkarte.
Markus Veith hat Gärtner gelernt, arbeitete als Totengräber für die Stadt Dortmund und pflanzte Blumen im Westfalenpark. Doch eigentlich zog es ihn zur Literatur und auf die Bühne. Nach ersten Rollen an kleinen freien Bühnen dann der Sprung ins kalte Wasser. „Als ich mein erstes richtiges Engagement hatte, kündigte ich meinen Job. Eine sichere Anstellung im öffentlichen Dienst immerhin.“ Er spielte in kleinen Ensembles, machte Kindertheater und stellte seine ersten Bücher gleich ganz alleine her: eine Novelle, Kurzgeschichten, Lyrik, ein Theaterstück, gedruckt und gebunden in Handarbeit. Und einige Hundertmal verkauft. „Ja, das waren schon harte Jahre“, sagt Veith. „Ich kenne das, mit fünf Pfennig in der Tasche tagelang durch die Stadt zu laufen. Und irgendwann mit über Dreißig geht Dir das schon an die Nieren.“ So lange die Durststrecke auch währte, eine Rückkehr in den gelernten Beruf kam nicht in Frage. Stattdessen wurde Veith zum Handlungsreisenden in Sachen Kultur und spielte auf jeder noch so kleinen Bühne. „Ich habe in meiner Küche eine Deutschlandkarte, auf der ich meine Auftrittsorte mit einem Fähnchen markiere. Die ist inzwischen ziemlich flächendeckend gefüllt“, schmunzelt er.
Als das Angebot kam, beim Fränkischen Theatersommer – einem Festival mit immerhin 72(!) Spielorten – erst zu spielen und dann zu inszenieren, griff Veith zu. Inzwischen verbringt er als Schauspieler, Autor und Regisseur vielbeschäftigt die Sommermonate in der Fränkischen Schweiz, an verwunschenen Spielorten wie dem „Garten der historischen Ochsenmühle“ in Klosterlangheim.
In Oberfranken erhielt Veith vor zwei Jahren auch den Auftrag, Wilhelm Busch auf die Bühne zu bringen und entschied sich für einen eigenen Zugang. Statt eines Rezitationsabends schlüpfte er selbst in die Rolle des großen Humoristen, schrieb und inszenierte ein Solostück, in dem der Dichter selbst spricht – durchweg in Versen im unverkennbaren Busch-Ton. „Theater in Reimen ist nun wirklich nicht 'en vogue'“, sagt Veith. „Aber das hat mich gereizt. Wenn man Busch liest, haben diese Texte auch etwas Gegenwärtiges, Echtes, das wollte ich auf der Bühne probieren.“ Und es gelang „mit schönem Erfolg“, wie er sagt und dem Höhepunkt, an Buschs Geburtstag in dessen Geburtshaus in Wiedensahl vor Experten und Nachfahren des Dichters zu spielen und frenetisch gefeiert zu werden. „Das war magisch und wirklich so etwas wie ein Ritterschlag.“ Seit zwei Jahren tourt er nun als Wilhelm Busch durch die Republik.
„Der Eulenspiegel war dann die logische Konsequenz“, sagt Veith. „Ich habe in Mölln Kindertheater gespielt und blickte so über die Stadt mit ihren Parabolantennen, da war die Idee geboren. Was Busch sich ausdachte, hat Eulenspiegel getan.“ Auch Erasmus, „Eulenspiegels Enkel“ spricht in Reimen. Jedoch weil er muss. Als Opfer einer unerbittlichen bildungsbürgerlichen Lyrik-Erziehung hat er so etwas wie eine Zwangsstörung entwickelt. Rasmus nimmt die Außenseiterrolle an und wird ein moderner Eulenspiegel, der nach tiefem Sturz schließlich da landet, wo es zu befürchten war: Erst in Talkshows, dann in der Politik. So furios und pointenreich das Stück ist, so böse und politisch aktuell ist es auch, wie einst das historische Vorbild. „Auch gutes Kabarett hält den Spiegel vor: ,Seht mal, was ihr da macht!'“, sagt Markus Veith. „Das Lachen, das im Halse steckenbleibt ist die wirkungsvollste Form von Humor.“ Bastian Pütter

Nordbayerischer Kurier - Juni 2013
Eulenspiegels Enkel hält die Tradition hoch: M. Veith beim Fränkischen Theatersommer
Bei einem selbstgeschriebenen Solostück hängt auch abseits der Bühne alles, aber auch wirklich alles an einer Person. Wenn M. Veith von der Recherche, der Textausarbeitung, der Inszenierung und den Proben für die Hauptrolle berichtet, erzählt er mit viel hintergründigem Humor. Als Schauspieler muss er in der Lage sein, einen ganzen Abend alleine zu gestalten, und man sieht ihm an, dass er nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Gespräch darüber ganz in seinem Element ist.
Der 41-jährige Westfale lebt im Sommer zusammen mit Alexander Voß und Christiane Reichert in einer WG auf Schloss Oberaufseß, auf der Bühne allerdings steht er heuer oft alleine. "Die Stücke, die ich für den Theatersommer geschrieben habe, kommen aber nicht nur hier in der Gegend zur Aufführung, ich spiele sie auch außerhalb der Sommersaison in ganz Deutschland. Neben den beiden Solostücken bin ich in diesem Jahr im Kinderstück "Max & Moritz" und in den beiden Klassikern "Was ihr wollt" von Shakespeare und in "Faust I" zu sehen. Ein schelmisches Lachen überzieht sein Gesicht, das gut zu seiner Hauptrolle passt.
Seine beiden Solostücke hat er selbst geschrieben. "Ein jeder Narr tut was er will" spielt in Wilhelm Buschs Werkstatt. Als persönlichen Höhenpunkt bezeichnet Veith sein Gastspiel in Wilhelm Buschs Geburtshaus in Wiedensahl, und das auch noch zum 181. Geburtstag des großen Humoristen.
"Eulenspiegels Enkel" dagegen ist ein wirklich armer Kerl, der in seiner Kindheit zu viele Gedichte gefüttert bekam und sich seither nur noch in Versform ausdrücken kann. Weil seine Umgebung sowieso glaubt, dass er sie damit verulken will, kehrt er den Spieß um und zieht als moderner Eulenspiegel durch die Welt.
Seine vierte Spielzeit birgt für M. Veith neben der vielen Theaterarbeit aber auch viel Genuß, weil er in der Ferienregion Oberfranken arbeiten darf. "Etwa nach sechs Wochen am Stück zieht es mich dann aber doch nach Hause nach Dortmund; das brauche ich einfach. Aber das wunderbare Gesamtpaket Fränkischer Theatersommer besteht für mich aus drei Teilen: der Gegend hier, dem Ensemble und der Möglichkeit, meine eigenen Stücke zu machen." Anne Müller

 

Nordbayerischer Kurier – April 2011
Gleich in sechs verschiedenen Stücken ist Markus Veith in diesem Fränkischen Theatersommer auf der Bühne zu sehen. Ob Musical, Theater, Poetry-Slam oder Theater für Kinder – dem Dortmunder bereiten alle Facetten der Bühnenkunst Spaß. Im Gespräch mit Kurier-Mitarbeiterin Laura Berger erzählte er vom Schauspielberuf und von Wilhelm Busch.
Frage: Läuft man bei so vielen Rollen nicht Gefahr, in eine andere Rolle zu schlüpfen?
„Ich bin es gewohnt, so viele Rollen zu spielen. Nebenher spiele ich auch ein Kinderstück, in dem ich 16 Rollen innerhalb von einer Stunde verkörpere. Das ist Gewohnheitssache – so wie ein Metzger es gewohnt ist, Blutwurst zu rühren, was auch nicht jeder kann.“
Frage: Was passiert mit Ihnen auf der Bühne?
„Ich schwitze wie Sau! (lacht) Das Busch-Solo ist wirklich eine schweißtreibende Geschichte. Und natürlich auch ein Konzentrationsaufwand. Aber das spielt sich ein. Ich bin immer sehr dafür, dass ein Theaterstück läuft wie ein Uhrwerk: So temporeich und flüssig, als würde man gar nicht bewusst Theater spielen und dabei total Spaß haben. Da steckt viel Arbeit dahinter und ich probe wie ein Besessener.“
Frage: Waren Sie schon immer freischaffender Künstler?
„Nein, erst seit circa zwölf Jahren. Ich bin von Beruf gelernter Gärtner. Zwischendurch habe ich als Totengräber gearbeitet, war Parkplatzwächter, stand hinter dem Tresen und war Vertreter. Mit 27 Jahren war ich zu alt für die Schauspielschule, hatte aber bis dahin viel in Laientheatergruppen gespielt. Irgendwann kam ich durch ein Casting in ein professionelles Ensemble und stand vor der Wahl: Entweder du machst weiter wie bisher und bist unzufrieden oder du springst ins kalte Wasser und wirst Schauspieler.“
Frage: Wie beschreiben Sie Ihr Leben als Schauspieler?
„Ich höre häufig: ‚Ich bewundere total, was du machst, aber mir würde da die Sicherheit und einfach ein bisschen Luxus fehlen.‘ Da frage ich mich dann: Was ist Luxus? Heißt das, einmal im Jahr Urlaub zu machen und ein schickes Auto zu fahren? Das brauche ich nicht! Mein Luxus ist, dass ich völlig frei bin. Außerdem kann ich sein, wer ich bin und machen, was ich will und wirklich kann. Ich arbeite meist mit meinen besten Freunden zusammen. Ich kann Träume verwirklichen.“
Frage: Sie haben auch einen SoloPoetry-Jam, den „Veithstanz“, im Programm.
„Früher bin ich auf vielen Poetry-Slams im Raum NRW aufgetreten. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, mich mit anderen Poeten zu messen. Also habe ich alle Texte zusammengestellt und es ist ein Solo entstanden. Die Stilarten sind kunterbunt: Theater, Kabarett, teils mit Musik und Rhythmus. Aber es sind alles kleine Geschichten rund um den Alltag in poetischer Form.“
Frage: Für die Premiere spielen Sie das Solo von Busch „Ein jeder Narr tut, was er will“. Um was geht es?
„Darin spiele ich den Lyriker Wilhelm Busch selbst. Er ist in seiner Werkstatt und befindet sich plötzlich auf der Bühne vor Publikum. Das schaut ihm bei der Arbeit über die Schulter. Er erzählt, worüber er geschrieben hat und schlüpft in seine Figuren. Das Ganze hat etwas sehr Biografisches an sich.“
Frage: Ein Mann eineinhalb Stunden lang allein auf der Bühne – wird das nicht langweilig?
„Nein. Ich beschreibe es gern als ‚Kindertheater für Erwachsene‘. Busch ist der Urvater des Comics und so hat das Stück viel Clowneskes an sich. Der Titel verrät, dass er in jedem Menschen einen Narren sieht. Aber jeder soll so angenommen werden, wie er ist. Andererseits hat er sich auch sehr über die Spießbürgerlichkeit lustig gemacht.“
Frage: Was denken Sie über Wilhelm Busch?
„An ihm gefallen mir besonders die Sprache und die Weisheit. Obwohl er kein angenehmer Mensch gewesen ist. Aber die Weisheiten, die er in lustigen Reimen ausgedrückt hat, sind unvergesslich. Mit „Max und Moritz“ hat er, ohne es zu beabsichtigen, vor 150 Jahren ein ganz neues Genre gegründet – das Comic. Bis heute kennt jede Generation diese Geschichte. Faszinierend.“

on.ruhr - März 2007
Gestern war der Dortmunder Autor Markus Veith zu Besuch in den Redaktionsräumen von onruhr und äußerte sich ausführlich zu seinen Werken, zu denen Theaterstücke, Lyrik und Romane gehören.
onruhr: Wie lebt man als Schriftsteller in Dortmund?
MV: Als Kulturschaffender in Dortmund kommt man nicht hoch hinaus. Ich veröffentliche meine Romane bisher im Eigenverlag. Zur Zeit suche ich nach Produzenten, weil die Verlage nicht mitziehen. Über eine große und treue Leserschaft verfüge ich bereits. Den deutschen Verlagen fehlt da ein bisschen der Mut.
onruhr: Ist Mut wichtig?
MV: Ich habe mir den Mut angewöhnt. Ich war mal Gärtner bei der Stadt. Ein sicherer Job. Jetzt habe ich den Luxus, dass ich mein eigener Chef bin. Alles, was ich mache, mache ich aus eigenem Antrieb.
onruhr: Was verbindet sie mit Dortmund?
MV: Ich komme aus Dortmund-West, bin dort im Viertel geboren und aufgewachsen. Es ist beruhigend, dort seine Wurzeln zu wissen. Mit der Stadt verbindet mich viel, einige Handlungen spielen auch hier.
onruhr: Welche zum Beispiel?
MV: „Des Pudels Kern“ ist ein Thriller, der in Dortmund spielt. Die Stadt wird nicht genannt, aber man kann es ganz gut erkennen. Der Thriller spielt an Ostern und beginnt damit, dass eine Frau zum Pressetermin in eine Redaktion kommt und nur der Volontär verfügbar ist. Sie berichtet von ihrer Nichte, die bei einem Anschlag in der Innenstadt ums Leben kam. Susanne, die Nichte, war eine Menschenfischerin, einer der Menschen, die es in jeder Stadt gibt und die jeder kennt, weil sie so absonderlich sind. Die Lebensgeschichte von Susanne ist mit vielen abstrusen Kleinigkeiten gespickt. Es geht vor allem um Gerüchte.
onruhr: Wer liest ein frisch Werk zuerst?
MV: Testleser sind Freunde und Bekannte, auch immer zwei Leser, die ich nicht kenne und die mich nicht kennen. Da kriegt man die ehrlichste Kritik. Die machen dann auch auf Fallstricke aufmerksam. „Des Pudels Kern“ habe ich von einem Cousin lesen lassen, der Polizeiinspektor ist. Den Inspektor habe ich mir Kaugummi kauend vorgestellt. Ich hätte eigentlich drauf kommen müssen: Der kann natürlich nicht seinen Kaugummi am Tatort ausspucken.
onruhr: Was bedeutet ihnen das Schreiben?
MV: Manchmal glaube ich, man könnte mir wohl eher das Atmen verbieten. Ich habe eigentlich keine Ahnung, wie es dazu kam, es hat sich nach vorne gedrängt. Angefangen habe ich bei der Bundeswehr, aus Langeweile.
onruhr: Lyrik, Theaterstücke, Hörbücher, Romane. Sie haben viel verschiedenes ausprobiert. Warum?
MV: Ich kann nicht lange bei einem Genre bleiben. Heute würde ich kein Märchen mehr schreiben. In den Romanen geht es mir immer um den experimentellen Charakter. In „Löwenzähnchen“ habe ich damit experimentiert was passiert, wenn eine Raupe sich einfach nicht den biologischen Strukturen unterordnen will.
onruhr: Wo schreiben sie? Draußen, in Cafés oder zu hause?
MV: Ein magischer Ort draußen ist das Dortmunder Feld. Ein völlig eigenartiger Ort, Industriewildnis. Da gibt es eine Birke, die geformt ist wie ein Sessel. Einige Handlungen meiner Romane handeln an diesem Ort. In Cafés schreibe ich nur, wenn ich im Fluss bin und schon weiß, wohin die Handlung geht. Ich schreibe eher zuhause, da habe ich einfach alle Möglichkeiten.
onruhr: Wie arbeiten sie?
MV: Manchmal 20 Stunden, manchmal gar nicht. Die beste Zeit zum Schreiben ist direkt nach dem Aufwachen, aber oft muss es zwischen die Termine passen.