Fränkischer Theatersommer 2013

 

Fränkischer Theatersommer 2013

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Neuinszenierungen:

"Was ihr wollt" - Theaterstück von Wiliam Shakespeare

Jede Menge los in der verträumten Küstenstadt Illyrien. Die junge Viola trauert um ihren verschollenen Zwillingsbruder Sebastian und beschliesst, als Mann verkleidet beim Herzog Orsino als Diener anzuheuern. Der ist unsterblich verliebt in die Gräfin Olivia. Diese will ihn aber nicht, verliebt sich stattdessen in Cesario alias Viola. Jene wiederum verliebt sich in Orsini - ein herrlich amüsantes Verliebtheitsspiel - begleitet vom erzversoffenen Sir Tobias Rülps, seinem verrücktern Zechkumpanen Ritter Andrew Bleichenwang und der äußerst listigen Kammerfrau Maria. Wenn der sittenstrenge Haushofmeister Malvolio von den dreien dann noch in den Liebesrausch getrieben wird, ist der Wahnsinn komplett.
Eine Komödie voller Liebeswirrwarr, süßer Melancholie und erfrischendem Schabernack.

Stephan Bach: Sir Toby Rülps, Kapitän

Juliane Fechner: Viola

Peter Kempkes: Orsino, Sir Andrew Bleichenwang, Antonio

Christiane Reichert: Maria, Sabastian

Ingrit Gabriel: Olivia

M. Veith: Malvolio, Valentin

Presse:

Zum Kugeln komisch: Amors Pfeile treffen oft - Nordbayerischer Kurier, 27.05.13

Peter Kempkes feiert furioses Debüt ale Regisseur und Schauspieler -- (…) P. Kempkes, erstmals für den Theatersommer tätig, hat „Was ihr wollt", jenes verrückte Liebeswirrspiel aus Shakespeares Feder neu bearbeitet und inszeniert. Und als ob das nicht schon genug wäre, mimt er an diesem Premierenabend obendrein zwei überaus gegensätzliche und prägende Charaktere: Orsino, den wildverliebten Herzog von Illyrien, jener Insel, auf der sich das muntere Treiben abspielt, und Ritter Andrew von Bleichenwang, herrlich bedröppelt samt Schaukelpferd. Als Zechkumpan wird er von dem intriganten Sir Toby (Stephan Bach) immer wieder in die Arme der reichen und arroganten Gräfin Olivia (Ingrit Gabriel) getrieben, um von ihr ebenso zügig verstoßen zu werden. Dieses Schicksal ereilt auch Orsino, in dessen Diensten sich die junge Viola, (Juliane Fechner) als Mann verkleidet, begibt. Unterstützt von Sir Toby treibt die listige Kammerfrau Maria (Christiane Reichert) den sittenstrengen Haushofmeister Malvolio (M. Veith) in einem überaus temporeichen und zum kugeln komischen Spiel in den Liebeswahn. Aus dem verklemmten, kieksenden Sittenwächter wird Dank Amors Pfeil ein liebestoller Narr, der sich in gelben Strümpfen, kreuzweis gebunden, seiner Angebeteten Olivia zu Füßen legt. Doch die entbrennt voller Leidenschaft – ihr roter Tüllrock wird, welch herrlicher Regieeinfall, von kleinen Lämpchen erleuchtet – wenn der passende Galan die Bühnebetritt. Augen hat sie aber nur für Cesario, die verkleidete Viola, die zum furiosen Finale ihre wahre Identität preisgibt, als ihr vermisster Bruder Sebastian wieder auftaucht. Tosenden Applaus spendet die Fangemeinde im Turm.

Fränkische Theatersommer eröffnet mit „Was ihr wollt" - In Franken, 26.05.2013

Shakespeare schreckte vor Kalauern nicht zurück, und wenn zur Premiere der ersten "Großproduktion" des Fränkischen Theatersommers in dieser Saison das Publikum tatsächlich gefragt worden wäre, was es wolle, hätte ein Großteil wohl geäußert: besseres Wetter, damit die Spielstätte unter freiem Himmel hätte genützt werden können und so ein Mehrwert an Theater-Atmosphäre entstanden wäre. Es hat nicht sollen sein, und die niedrigen Temperaturen zwangen das Ensemble in St. Gangolf; so gewann man immerhin fast hautnahen Kontakt zu den Schauspielern. Die eine unter mancherlei Zwängen stehende Inszenierung sehenswert machen. Es ist ja nicht leicht, ein 400 Jahre altes Stück mit fürs zeitgenössische Publikum sperriger Sprache in eine rustikale Freilicht-Produktion zu transponieren, nicht mit den Mitteln eines großen Hauses hinter sich, und trotzdem als künstlerisch einigermaßen anspruchsvoller Regisseur am Morgen noch ohne Beschämung in den Spiegel schauen zu können. Peter Kempkes ist dies, meist, gelungen. Er verantwortet in der fränkischen Version von "Was ihr wollt" auch noch das Bühnenbild und die Text-Bearbeitung, und zu all dem spielt er den Herzog Orsino und den Höfling Andrew von Bleichenwang. Mit beachtlichem komödiantischem Talent, das auch seine Kollegen ihr Eigen nennen.

Es ist ja eine Komödie der Irrungen und Wirrungen, die Shakespeare da schuf der Verkleidungen, wechselnden Geschlechter-Identitäten, des ewigen Liebes-Spiels. Manches wirkt heute in Zeiten der diskutierten sogenannten Homo-Ehe antiquiert. Oder auch, Stichwort Queerness, hoch aktuell? So tief braucht man nicht zu schürfen. Bis sich die Paare in dem fiktiven Königreich Illyrien am Ende gefunden bis Klamauk zu meistern. Unter Scherz und Satire litt die tiefere Bedeutung mitunter etwas. Kempkes war ja gezwungen, den Text zu kürzen, und dass der Narr Feste geopfert wurde, ist schon Hier sind Profis am Werk. Wie etwa Christiane Reichert einmal als frivole Maria – bei Shakespeare finden sich durchaus auch Derbheiten - und gleich darauf als maskuliner Sebastian mit ganz anderem Timbre brillierte: Respekt. Ein ganz eigenes Kapitel ist jedoch Stephan Bach. Dieses Bühnentier, hier als stets angeschickerter Sir Tobias von Rülps und Seemann, mausert sich allmählich zum Theatersommer-Star. Mit donnernder Stimme beherrscht der klein gewachsene Mann jede Szene, gibt zusammen mit Peter Kempkes' trotteligem Andrew von den Grafen Orsino als etwas weltfremden Duodezfürsten. Ingrit Gabriel als schöne Gräfin Olivia gibt dem Verwirrspiel Tiefe, während Juliane Fechner als Viola und Cesario das Androgyne der Rolle auch vom Phänotyp her schön verkörpert. Markus Veith wird als steifer und liebesnärrischer Haushofmeister Malvolio hereingelegt und bringt mit gelben Schnür-Strümpfen eine mächtige Portion Slapstick ins Spiel.Viel Applaus gab es also für ein beherzt aufspielendes Ensemble. Schöne Kostüme erfreuen ebenso wie ein farblich abgestimmtes, schlichtes Bühnenbild und moderne Musik, die erstaunlich gut passte. Verborgene Bedeutungen aus Shakespeare herauszuholen, bleibt andern überlassen. Eine Wanderbühne muss wohl auch die bleibt, dann der Wunsch, dass der Fränkische Theatersommer - und die Zuschauer - fürderhin mit besserem Wetter gesegnet sein mögen.  (Rudolf Görtner)

 

Viele verwirrende Verwandlungen in Thurnau

Es ist eine Geschichte mit zahlreichen Verwicklungen, die das Ensemble im malerischen Hof des Schlosses aufführt: In Shakespeares "Was ihr wollt" geht es um ntrigen und unglückliche Liebe, um Verwechlungen und Verwandlungen.

Die augenfälligste macht der Haushofmeister Malvolio durch - brillant gespiet von M. Veith. er, der auf Disziplin und Ordnung bedacht ist, lässt sich durch einen von der Zofe Maria in der vermentlichen Handschrift seiner Herrin livia gefälschten Liebesbrief in die Rolle des verliebten Narren drängen, der in gelben Strümpfen nebst über kreuz geschnürten Strumpfbänden vor der Gräfin erscheint. Und prompt für verrückt erklärt wird, von Olivias Inkel Sir Toby (eine Paraderolle für Stephan Bach) und Ritter Andrew, der Olivia selbst gerne heiraten möchte. Die Gräfin allerdings hat sich Cesario verguckt, der eigentlich die Schiffbrüchige Viola ist. Nach vielen Turbulenzen klären sich die Verwicklungen auf: Malvolio endet als gebrochener Mann, der Ritter sucht das Weite und alle anderen finden ihre Partner fürs Leben. P. Kempkes hat das Stück flott inszeniert, spart nicht mit Anspielungen auf die Jetzt-Zeit und hat im Vergleich zum Original sogar eine Rolle, die des Narren Feste, eingespart, ohne dass dies auffällt. Gutes Theater auf im Wortsinn offener Bühne. v. A. Müller

 

 

"Faust" - Theaterstück von J.W.v. Goethe

Goethes Faust ist eine der schönsten Herausforderungen für jedes Theater, also auch für unsere Wanderbühne – ein Universaldrama, das uns „vom Himmel durch die Welt zur Hölle“ führt. Leicht und unterhaltsam, kraftvoll und energetisch führt diese Inszenierung die beiden Geschichten des Faust zusammen, nämlich die des zweifelnden und verzweifelten Gelehrten, der sich dem Teufel verschreibt und die des verführten Mädchens, die allbekannte Liebestragödie um Gretchen.
Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als die „letzten Fragen“: um Liebe, Wahrheit, Willensfreiheit und Verantwortung. Mal ernsthaft und mal augenzwinkernd.
Goethe merkt bescheiden an: „Aber doch ist alles sinnlich und wird, auf dem Theater gedacht, jedem gut in die Augen fallen. Und mehr habe ich nicht gewollt. Wenn es nur so ist, dass die Menge der Zuschauer Freude an der Erscheinung hat ... Ei! So habt doch die Courage, Euch den Eindrücken hinzugeben, Euch ergötzen zu lassen.“

 

Editoriales:

Diese Saison ist die spürbar entspannteste der bisherigen vier Sommer, die ich beim Fränkischen Theatersommer tätig gewesen bin. Auch sind viele Neuerungen zu genießen:Ein neuer Büro-Leiter, mit dem sich enorm gut arbeiten lässt. Zudem tolle Plakaten für jedes einzelne Stück. Und eine neue Wohnsituation: Zwar haben wir die bisherigen Jahre immer gern zu viert in des Intendanten Turm-Wohnung gehaust, doch sind wir heuer auf der anderen Seite des Oberaufseß'schen Schlosshofs in der sogenannten Torbogen-(Ferien-)Wohnung untergebracht, welche nicht nur den Vorteil eines weitaus geräumigeren Bades und einer größeren und besser eingerichteten Küche hat, sondern vor allem auch die Möglichkeit bietet, statt Durchgangsräume drei separate Zimmer zu behausen. Leider kam ich um den Umstand nicht herum, meine erste Woche in dem Zimmer zu wohnen, welches direkt über dem Torbogen liegt und wegen der durchs Tor fegenden schneidenden Kälte, die ganz Deutschland plagte, nicht warm wurde. Ich habe die ersten Nächte mit zwei Decken und Pullover verbracht, dann aber endlich einen Heizlüfter bekommen, mit dem es erträglicher wurde. Danach habe ich endlich in die durch den Auszug einer Kollegin frei gewordene 'Hobbit-Höhle' ziehen dürfen, die in der unteren Etage direkt neben dem hübschen Bad liegt und gut beheizbar ist, davon abgesehen, den von mir gegebenen Namen recht wohl verdient. Die obere Türrahmenkante reicht mir ans Kinn und es ist im Innern nicht nur eng gemütlich, sondern vor allem – das als Novum – kein Durchgangszimmer. (Das hat mich die bisherigen Jahre im Turm nie gestört, aber es besser ist es schon.) Einziger Wehmutstropfen: Die W-Lan-Verbindung ist Schmonz und nur mit viel Geduld zu ertragen.Auch sind die Proben der einzelnen Produktionen - zumindest der fünf, in denen ich mitspiele - hübsch hintereinander gelegt, so dass sie angenehm zu händeln sind. (Wenn ich bedenke, dass ich 2012 an einigen Tagen bis zu drei Stück an drei verschiedenen Orten gespielt habe ...) Als die Proben zu "Was ihr wollt" begannen, war ich mit meinem neuen Solo-Stück "Eulenspiegels Enkel" bereits 'Durchlauf-fähig', sprich: es war durchinszeniert und ich konnte für mich im Oberaufsesser 'Schafstall' proben, wann und wie ich eben Zeit hatte. "Ein jeder Narr..." habe ich den ganzen Winter über gespielt und musste dafür gar nicht proben und "Max & Moritz" bin ich mit meiner Spielpartnerin Christiane 'technisch' im Wohnzimmer durchgegangen; das reichte völlig. Die Proben zu "Faust" beginnen erst Ende Juni und da habe ich nur relativ kleine Rollen, mit denen ich voll und ganz zufrieden bin. Hinzu kommt, dass dieses Jahr kein Musical gemacht wird, ivh somit von (für mich immer noch komplizierten) Choreografien und Gesangs-Passagen befreit bin und mich auf reines Schauspiel konzentrieren kann.

Ganz sicher ist 2013 auch das ergiebigste meiner bisherigen Theatersommer-Jahre. Denn da ich mit "Eulenspiegels Enkel" und dem Wilhelm-Busch-Stück nun mit zwei Soli und recht üppiger Auftrittsmenge  im Programm bin, habe ich recht gut zu tun. Hinzu kommt, dass sich die Mühe meiner Winter-Akquise nun auszahlt, ich also noch nebenher ein paar schöne Auftritte außerhalb Frankens habe.

Zu Besuch beim grummelnden Wilhelm Busch - Nordbayerischer Kurier, 11. Juni 2013

Eulenspiegels Enkel hält die Tradition hoch: M. Veith beim Fränkischen Theatersommer

Bei einem selbstgeschriebenen Solostück hängt auch abseits der Bühne alles, aber auch wirklich alles an einer Person. Wenn M. Veith von der Recherche, der Textausarbeitung, der Inszenierung und den Proben für die Hauptrolle berichtet, erzählt er mit viel hintergründigem Humor. Als Schauspieler muss er in der Lage sein, einen ganzen Abend alleine zu gestalten, und man sieht ihm an, dass er nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Gespräch darüber ganz in seinem Element ist.

Der 41-jährige Westfale lebt im Sommer zusammen mit Alexander Voß und Christiane Reichert in einer WG auf Schloss Oberaufseß, auf der Bühne allerdings steht er heuer oft alleine. "Die Stücke, die ich für den Theatersommer geschrieben habe, kommen aber nicht nur hier in der Gegend zur Aufführung, ich spiele sie auch außerhalb der Sommersaison in ganz Deutschland. Neben den beiden Solostücken bin ich in diesem Jahr im Kinderstück "Max & Moritz" und in den beiden Klassikern "Was ihr wollt" von Shakespeare und in "Faust I" zu sehen. Ein schelmisches Lachen überzieht sein Gesicht, das gut zu seiner Hauptrolle passt.

Seine beiden Solostücke hat er selbst geschrieben. "Ein jeder Narr tut was er will" spielt in Wilhelm Buschs Werkstatt. Dort erhält der Zeichner und Erfinder des Comics unvermuteten Besuch. Busch ist eigenwillig, geradezu ein Sonderling, der sein Leben lang ledig blieb. Er ist nicht gerade erfreut darüber und grummelt missmutig reimend vor sich hin, kommt aber dann über seine Lieblingsthemen Malerei und Dichtkunst allmählich ins Plaudern. Als persönlichen Höhenpunkt bezeichnet Veith sein Gastspiel in Wilhelm Buschs Geburtshaus in Wiedensahl, und das auch noch zum 181. Geburtstag des großen Humoristen.

"Eulenspiegels Enkel" dagegen ist ein wirklich armer Kerl, der in seiner Kindheit zu viele Gedichte gefüttert bekam und sich seither nur noch in Versform ausdrücken kann. Weil seine Umgebung sowieso glaubt, dass er sie damit verulken will, kehrt er den Spieß um und zieht als moderner Eulenspiegel durch die Welt.

Seine vierte Spielzeit birgt für M. Veith neben der vielen Theaterarbeit aber auch viel Genuß, weil er in der Ferienregion Oberfranken arbeiten darf. "Etwa nach sechs Wochen am Stück zieht es mich dann aber doch nach Hause nach Dortmund; das brauche ich einfach. Aber das wunderbare Gesamtpaket Fränkischer Theatersommer besteht für mich aus drei Teilen: der Gegend hier, dem Ensemble und der Möglichkeit, meine eigenen Stücke zu machen."

von Anne Müller