Fränkischer Theatersommer 2012

 

 

"Männersache"

Musical nach dem Drehbuch 'Männer' v. Doris Dörrie

Fotos: TMO Bilderwelten Tom Schneider

 

Was tun, wenn man feststellt, dass die Ehefrau einen betrügt? Man zieht bei ihrem Liebhaber ein und versucht, das neue Glück zu zerstören. Doch warum ist der Neue nur so nett? Kann man die Gattin zurückerobern? Und welche Rolle spielt eine Gorilla-Maske?

Tom, erfolgreicher Kreativ-Direktor einer Werbeagentur mit entsprechenden Statussymbolen wie Haus, Porsche und Familie ist gelegentlichen Seitensprüngen nicht abgeneigt. Eines Tages offenbart ihn Lucy, seine Ehefrau, das auch sie einen Liebhaber hat. Er verlässt die gemeinsame Wohnung und sucht sich als WG-Partner ausgerechnet den Lover seiner Frau, Sebastian, aus. Der allerdings ahnt nicht, wem er da gerade erlaubt sich in seine Künstlerwohnung einzuquartieren. Seine Liebe zu Lucy stellt sein Leben ohnehin schon auf den Kopf. Trotz unterschiedlicher Lebensweisen und bei aller Konkurrenz entsteht zwischen beiden Männern so etwas wie eine Freundschaft. Als jedoch Lucy das Künstlerquartier besucht, hat Tom ein Problem.

Buch und Songtexte: Joe DiPietro, Musik: Jimmy Roberts. Mit Juliane fechner, Christiane Reichert, Markus Veith, Alexander Voss; Piano: Lioubov Knjazev; Regie: Christiane Reichert. Aufführungsrechte: Josef Weinberger, Bühnenvertrieb: Musik und Bühne

 

Editorial: Als Christiane verkündete, es gäbe ein Musical nach dem Film "Männer", das für 4 Akteure spielbar ist und das von demselben Duo gemacht wurde, die auch schon "Ich liebe dich, du bist perfekt ..." machten, war ich sofort begeistert. Da wir dieses Jahr besonders wenig Zeit zur Einarbeitung zur Verfügung hatten, stand das Stück schon nach acht Tagen, Chef war zufrieden, das Testpublikum auch und wir waren zur Premiere bestens vorbereitet ... um dann vor vierzig Leuten zu spielen. Ja, das ist wenig und ein Armutszeugnis nicht für den Theatersommer, sondern für den nahezu lethargischen Spielort Hollfeld. Danach hat sich die Zuschauerzahl natürlich deutlich nach oben gerichtet und wir bekamen enorm gute Resonanzen. Meine Figur Tom war schon eine ordentliche Aufgabe, denn er hat nicht nur einige ziemlich lang gezogene und hohe Töne, er ist auch der Hauptprotagonist. (Ja, eben der mit der Gorillamaske.) In keinem der bisherigen Musicals bin ich so oft und lange auf der Bühne und hatte so viel zu singen. Auch vom Anspruch her war "Männersache" eine für mich üppige Herausforderung. Die beiden vorherigen Musicals hatten aus einzelnen Nummern bestanden, dieses nun war ein Stück mit durchgängiger Handlung und somit Figuren, die sich entwickelten und zwar gewaltig, mit Heulen, Brüllen, Lieben und Zähneklappern. - Aber wir bekamen es gut gewupp, waren allerdings nach jeder Vorstellung immer ganz schön fertig.

   

Presse:PEGNITZ – Vier Darsteller in neun Rollen: Allein dieses Zahlenverhältnis verhieß Spannung. Die Schauspieler sprachen, sangen, fühlten und litten sich durch die Inszenierung. Sie punkteten mit ausdrucksstarker Mimik, wo dies nötig war, zeigten bei Bedarf sparsame Gesten und brachten emotionale Gefühlsausbrüche teils heftig auf die Bühne. Häufig sprachen auch die brennenden Blicke Bände. Viele der Gesangsbeiträge gingen unter die Haut, „Lass mich in dein Herz“, „Highway of your heart“, „Weg zu Lucy“ und „Ein ganz neuer Mann“ ließen erahnen, was man aus Liebe tut.
Lioubov Knjazev am Piano verstand es hervorragend, die Gesangsbeiträge der Darsteller mitzugestalten. Juliane Fechner, die vier verschiedene Frauentypen verkörperte, spielte sich in die Herzen der Gäste als Jessica, die verlassene und tief enttäuschte Geliebte, als Edith, die wunderliche Wahrsagerin, als Taxifahrerin Manuela und als Cindy, das liebeshungrige Model. Christiane Reichert mimte die betrogene Ehefrau Lucy, die eine heftige Liaison mit ihrem Geliebten Sebastian eingegangen ist, und schlüpfte auch noch in die Haut einer mies aufgelegten Kellnerin im Nobellokal. Sie zeigte deutlich die verletzten Gefühle der Ehefrau, aber auch die Sehnsucht der Frau nach ihrem Liebhaber Sebastian, weil ihr Mann Tom ihr zu wenig Zeit und Zuneigung gab. Markus Veith war Tom, der betrogene Ehemann, der selbst diverse Seitensprünge auf dem Gewissen hat. Er schlüpfte perfekt in diese rüde Person, seine gespielten Gedanken, Gefühle, Aktionen und Reaktionen waren geradezu lebensecht dargestellt. Alexander Voss, der den Geliebten Sebastian markierte, gefiel mit der kecken Lockerheit, mit der er den Überlebenskampf des erfolglosen Künstlers beschrieb. Die Liebe zu Lucy, der verheirateten Frau, stellt sein Leben auf den Kopf.

Es war fabelhaft, wie die Darsteller sich mit dem Verlauf der Vorstellung immer weiter in die Herzen des Publikums spielten, denn der Beifall für besonders stark gespielte Szenen häufte sich. Die Akteure wechselten genauso flott in die verschiedenen Charaktere, wie sie selbst das Bühnenbild veränderten, dem Vorhang kam häufig eine zentrale Bedeutung zu.

 

LICHTENFELS - „Total beknackt, aber rührend“, fasst es Jessica mit leicht ironischem Unterton zusammen. Als enttäuschte Geliebte ist sie zwar die einzige, die auf dem „Highway of your heart“, zurückbleibt, aber um sie herum herrscht wieder eitel Sonnenschein und das ist schließlich auch schon etwas. Doch bis es soweit ist, passiert einiges auf der Bühne im Lichtenfelser Stadtschloss. Das Publikum jedenfalls hat viel zu lachen. Die Inszenierung von Christiane Reichert ist eine temporeiche „Musical-Affäre“ mit ausdrucksstarker Mimik und viel Gefühl, aufbereitet zum Genuss ohne Reue. Einfühlsame Songs wie „Lass mich in dein Herz“, „Highway of your heart“, „Weg zu Lucy“, „Ein ganz neuer Mann“ begleiten die Handlung. Vielseitig auch das Bühnenbild, das mit nur wenig Umbau zwischen eleganten Appartement und heruntergekommener Künstlerbleibe wechselt. Unbedingt erwähnenswert sind auch die Nebenrollen der Geschichte. Schauspielerin Juliane Fechner mimt nicht nur Toms verlassene Geliebte Jessica, sondern auch die psychodelisch angehauchte Hippie-Nachbarin Edith, die Taxifahrerin Manuela und das liebeshungrige Model Cindy. Christiane Reichert überzeugt sowohl in ihrer Rolle als betrogene Ehefrau als auch als schlechtgelaunte Kellnerin in einen Nobellokal. Die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle bringt Markus Veith als betrogener Ehemann Tom auf die Bühne. Es gibt ein Happy-End. Das Publikum bedankt sich bei den Schauspielern mit einem langanhaltenden Applaus für rund zwei Stunden beste Unterhaltung. Ob allerdings Toms „kreativer“ Umgang mit dem Thema Untreue ein Geheimrezept ist, bleibt dahingestellt. Zumindest wurde in „Männersache“ mit einem Augenzwinkern gezeigt, wie sie überwunden werden kann. Wie sagte doch Jessica: „Total beknackt, aber rührend“. -gst-

   

 

 

"Tartuffe"

Komödie von Moliére

  

Handlung: Ein scheinbar gottgefälliger Mann hat sich im Hause der Familie Orgon eingenistet. Seitdem hängt der Haussegen schief: Während der Hausherr den frommen Mann auf Händen trägt und alle seine Ratschläge befolgt, begehren die Kinder auf, denn Orgon will seine Tochter mit Mariane Tartuffe verheiraten, obgleich sie mit Valère verlobt ist. Die junge Stiefmutter Elmire, Gattin von Orgon, versucht Tartuffe von seinem Heiratsbegehren abzubringen, der jedoch nutzt die Gelegenheit, um ihr selber Avancen zu machen. Orgons Sohn wird Zeuge dieser Szene und berichtet seinem Vater davon. Statt dem Sohn zu glauben, enterbt der Vater ihn und überschreibt seinen ganzen Besitz dem Tartuffe. Die Verzweiflung erreicht den Höhepunkt, die Scheinheiligkeit triumphiert... Und: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Mit Juliane Fechner, Ingrit Gabriel, Christiane Reichert, Karin Schubert, Karolin Trübenbach, Sandra Weber, Stephan Bach, Benjamin Bochmann, Hubert Burczek, Alexander Voss et moi, Regie: Jan Burdinski

     

Editorial: Ich spielte Cleànte, eine eher kleine Rolle. Als ich das Stück erstmals las, dachte ich: Was ist er doch für ein intellektueller Klugscheißer. Nachher mochte ich ihn, denn wenngleich mein Sprech-Part in erster Linie aus recht schwierigen Dialog-Passagen bestand, 'wuchs' während der Proben Cleàntes Bedeutung; nicht nur, weil ich begriff, welche Einflüsse er in der Handlung hatte, auch, weil sich nach und nach zeigte, dass ich mehr übernehmen musste, als zuvor geplant. Dennoch war ich während der Abende ziemlich lange hinter der Bühne und auf der Bühne war mein Anteil überschaubar, was mir übrigens sehr recht war, denn somit war es für mich eine gute Übung (die ich jedem Schauspieler beizeiten empfehle) darin, einfach nur in der Szenerie zu stehen, jedesmal bei allem zuzuhören, was die anderen Figuren sagen, als würde man es das erste Mal hören und vor allem: die Knochen still zu halten, wenn der Fokus gerade bei den Kollegen ist und sein soll. Denn es war schon toll, in diesem doch recht großen Ensemble-Stück zu spielen, das Regisseur Jan wirklich grandios typ-besetzt hat. Wir passten alle unseren Figuren wie die Fäuste auf die Augen. ('Intellektueller Klugscheißer', ja ja, aber gerne auch 'Beobachter im Hintergrund, der auch mal zuschnappt, wenn es angebracht ist' :-) ) Stefan war als Tartuffe eine Wucht. Christiane als Madame Pernelle und Ingrid als Dorine wirbelten mit ihren überaus dankbaren Rollen durch die Szenen und heimsten verdientermaßen den meisten Publikums-Applaus. Hubert war einfach wirklich Orgon und Juliane eine wirklich reizvolle Elmire, durch die bang weg. Hat ziermlich viel Spaß gemacht.

 

 

"Pinocchio" 

Kindertheaterstück nach Collodi, bearbeitet und inszeniert von mir

Inhalt: Jeder kennt den italienischen Marionetten-Jungen, der so gerne für seinen Vater ein liebevoller Sohn wäre. Aber die vielfältigen Abenteuer der realen Welt spielen ihm immer wieder einen Streich. In unserer Theaterversion erzählen zwei Figuren aus dem bekannten Kinderroman, nämlich die clevere Katze und der windige Fuchs, die wunderbaren Abenteuer des Pinocchio.

          

Editorial: Jan fragte mich schon im Sommer 2011, ob ich für die folgende Saison ein neues Kindertheaterstück schreiben könne und wir einigten uns auf ‚Pinocchio‘. Ich selbst sollte nicht mitspielen, um Spielterminüberschneidungen zu vermeiden. Doch zunächst war lange Zeit nicht klar, wer denn dann spielt und ich plagte mich mit der Ratlosigkeit, wie ich diesen oft inszenierten Stoff umsetzen könnte, da ich keinerlei Vorstellung hatte, welchen Geschlechts und Habitus die Akteure sein würden. Mann/Frau, Frau/Frau, Mann/Mann, alt/jung, groß/klein, uswusf. Dinge, wie: Stellt ein Mann oder eine Frau die Fee dar? machen schließlich eine ganze Menge aus. Zudem wurde mir beim Lesen des Originals klar, dass man ‚Pinocchio’ heutzutage nicht mehr 1:1 machen kann, ohne dass es altbacken wirkt, denn der ursprüngliche Text (von 1883) predigt, dass ein Kind brav und artig und anständig zu sein hat. Natürlich gilt es auch heute noch, dass ein Kind nicht die Schule schwänzen oder lügen sollte, doch die Vorstellung des Braven Kindes zu Collodis Zeiten ist heute kaum zeitgemäß. Dann wurde klar, dass mein Musical-Kollege und Lieblingsnachbar Alexander Voss von der Partie sein würde; hinzu kam eine neue Kollegin: Karolin Trübenbach. Und als ich hörte, dass der Körpergrößenunterschied zwischen den beiden recht enorm sei, kam mir auch allmählich die Idee, wie das Stück neu und frech angelegt werden könnte: Ich habe den Fuchs und die Katze das Stück erzählen lassen, also die beiden Übeltäter der Geschichte, wobei die Katze Schnurre Felizitatz (Karolin) nur Pinocchio spielt und der Fuchs Reini Reudig (Ali) alle anderen.

Erst als das Stück fertig geschrieben war, wurde ich gefragt, ob ich auch die Regie übernehmen wolle. - Ich wollte eigentlich nicht, doch letztendlich war es logistisch kaum anders machbar. Anfang April begannen also die Proben. Wir schafften es, das Stück innerhalb von fünf Tagen ‚rund‘ zu bekommen; sprich: grob fertig, aber noch nicht aufführungsreif. Das war 1. Etappenziel, denn danach mussten wir alle für andere Stücke proben. Dann zeigte sich jedoch ein höchst unglücklicher Umstand: Die Premieren von sechs Stücken fielen in den Zeitraum nur weniger Tage, somit wurden auch alle gleichzeitig geprobt. Zum einen gab es gar nicht so viele Probenräume, zum anderen kam es zu zeitlichen Engpässen. Somit kam es, dass die Zeit, die wir für Pinocchio-Endproben angesetzt hatten durch etliche Verschiebungen gekürzt wurde und wir eh alle gestresst waren, denn wir proben zum Teil an drei verschiedenen Stücken pro Tag (oft auch an drei verschiedenen Orten.) Kurz: Ich merkte, dass wir Pinocchio zur Premiere zwar auf einen Level bekämen, der annehmbar, der aber noch nicht da wäre, wo ich ihn gerne hätte haben wollen. So war es auch. Die ersten Aufführungen verliefen ganz gut, das Publikum war höchst angetan, aber ich wusste, es ginge besser und wir gingen nochmal in den Probenraum.