Die erste Bahn

mit Sandra Wickenburg und Lars Lienen

Text & Regie: ich

Inhalt

Kai, ein junger Mann, verpasst die letzte U-Bahn. Draußen stürmt es und er hat kein Geld mehr, so bleibt ihm nichts übrig, als auf die 1. Bahn des nächsten Morgens zu warten. Doch er bekommt Gesellschaft. Die Frau verhält sich seltsam . Schließlich zückt sie eine Waffe: Sie werde ihn erschießen, denn er sei ihr Vater, sie komme aus der Zukunft und sein Tod diene der Zeitreisen-Forschung. Wichtiger für sie sei aber, sich selbst und ihr verkorkstes Leben durch seinen Tod komplett auszulöschen, denn er lerne in der ersten Bahn ihre Mutter kennen. Durch eine fatale Wendung werden sie jedoch gezwungen, sich durch die Ankunft der 1. Bahn Gewissheit zu verschaffen und die Stunden gemeinsam zu verbringen: Kai, der zukünftige Vater, Helen, die mögliche Tochter und die wandelbare Gegenwart …

Das Stück wurde im Dortmunder Theater im Depot inszeniert und kam dort am 20. Februar 2015 zur Uraufführung.

 

Presse und Fotos

„Verwirrspiel zwischen Wahn und Wahrheit“ – Ruhr-Nachrichten – 23. Februar 2015

Markus Veiths Kammerspiel Die erste Bahn ist ein Verwirrspiel zwischen Wahn und Wahrheit, zwischen heute, morgen und gestern, zwischen Verantwortung und Schicksal. Lars Lienen und Sandra Wickenburg wirbelten in den Rollen von Kai Trollmann und dessen angeblicher Tochter Helen die Gedanken des Premierenpublikums kräftig durcheinander.

15 Jahre hat Veith an dem Stück geschrieben. Gereift ist es in dieser Zeit zu einem prägnanten Zwei-Personen-Kammerspiel, das er auf einer kargen Bühne mit aufs Wesentliche reduzierten Requisiten inszeniert hat: eine Sitzbank aus einer U-Bahn-Haltestelle, ein Mülleimer und herumliegender Müll. Mehr braucht es nicht, um sich auf existenzielle Fragen des Lebens zu konzentrieren: Was wäre wenn …? Welche Verantwortung trage ich für mein eigenes Schicksal und das der anderen? Wie hätte ein kleiner Dreh an der Vergangenheit die Zukunft verändert Diese philosophischen Fragen verortet Veith in einer nächtlichen U-Bahn-Station. Drei Stunden bis zur nächsten Bahn. In dieser Zeit, an diesem Ort findet die paradoxe Begegnung des Bestsellerautoren Kai Trollmann mit seiner Tocher Helen statt, die aus der Zukunft in seine Gegenwart gereist ist, um ihn zu erschießen.

Die Hälfte der Zeit blickt Lars Lienen in der brillant gespielten Rolle des Kai in die Mündung eines Pistolenlaufs und lässt seine Figur die emotionale Bandbreite von kaltschnäuziger Arroganz über Verunsicherung, panischer Angst, ehrlicher Neugier bis zur niederschmetternden Ausweglosigkeit und menschlichen Zerstörung durchleben. Mit seinem gefühlvollen, präsenten Spiel mit ausdrucksstarken Gesten füllt Lienen die ganze Bühne und zieht das Publikum mit immer schärfer gezeichneten Konturen in seinen Bann, sodass Sandra Wickenburg in ihrer überzeugenden Darstellung der verstörten Tochter Helen fast schemenhaft in den Hintergrund tritt.

Ein kurzweiliger Theaterabend, der begeistert und nachwirkt. – Helen Thelen

Die Zukunft bleibt theoretisch – Trailer – 26.2.2015

(…) Sandra Wickenburg und Lars Lienen spielen die „zeitlosen“ Verwandten, absolut überzeugend und mit viel Gespür für theoretische Quantenwelten und missliche Lebenserfahrungen. Mal abgesehen davon, dass allein die Theorie einer möglichen Zeitreise das Stück um Stunden erweitert hätte, geht es in erster Linie um die Frage, wie der Mensch handeln würde, wisse er tatsächlich um die zukünftigen Folgen seines Tuns. Aus Kai jedenfalls wird ein Arschloch mit gesponsertem Bestseller-Roman werden (aus gegenwärtiger Sicht natürlich nur theoretisch), er wird seine Frau, die er in der nächsten U-Bahn erst treffen soll, verlieren und seine Tochter in der Zukunft psychisch quälen. Der Gegenwarts-Kai ist schockiert, Helen ob seiner Reaktion verwirrt. Mehr wird hier nicht verraten, das Kammerspiel auf ziemlich vermüllter Fläche sollte man sich selbst ansehen und wie ich ins Grübeln kommen. Was ist mit alternativen Zeitlinien oder Paralleluniversen? Hat Kai tatsächlich noch eine Chance? Wenigstens theoretisch?

Editorial

Ich weiß nicht mehr, wie ich auf den Plot kam, doch die Idee lagerte etliche Jahre in meiner Schublade. Dann 
kam es doch noch auf die Bühne, co-produziert vom Theater im Depot und ich konnte die Regie führen. Besonders glücklich war ich über die Besetzung. Lars Lienen vermochte Kai Trollmann mit ewig jugendlichem Charme und unterschwelliger Bosheit zu verkörpern. Und Sandra Wickenburg, mit der ich zuvor noch nie gearbeitet hatte, die mir aber in anderen Produktionen bereits aufgefallen war, war eine Idealbesetzung für die Helen. 

Obwohl die Resonanzen bei Presse und Publikum nahezu überschwänglich waren, kam das Stück leider nicht über das Jahr hinaus. Aber ich (und auch das Theater im Depot) versuchen, es erneut auf die Bretter zu heben.