Ein jeder Narr tut was er will

Ein Solo-Theaterstück mit Texten von Wilhelm Busch, über Wilhelm Busch, mit Wilhelm Busch

Regie: Jan Burdinski

Bearbeitung: Markus Veith

Fotos: Dietfried Moll, Lutz Götzfried, Barbara Pittner

Inhalt

Das Publikum besucht den Maler, Dichter, Philosophen und Humoristen in seiner Werkstatt. Busch, der nicht als ‚netter‘ Mensch gilt, vielmehr als schrulliger, lebenslang lediger Einsiedler, ist zunächst nicht begeistert davon, dass ihm jemand über die Schulter schaut. Doch indem er in seiner humorvoll gereimten, gleichzeitig bissigen Gewitztheit über die Menschen, insbesondere Künstler, übers Malen und Dichten referiert, kommt er immer mehr ins Plaudern. Er bietet seinem Publikum mit seinen Geschichten um den ‚verhinderten Dichter Balduin Bählamm‘ und den ‚Maler Klecksel‘ einen comicartigen Einblick in seine Arbeit und in das Leben des großen Humoristen Wilhelm Busch.

Bühnenanforderungen:  ab 3m x 3m, Beleuchtung: einfach, weiß, keine Lichtwechsel.

Auch als Wohnzimmertheater machbar. Sprecht mich an.

Trailerproduktion: geni(e) Film- & Fotoproduktion

Editorial

Im September 2010 rief mich Jan Burdinski, der Intendant des Fränkischen Theatersommers, an und offerierte mir: ‚Du spielst nächstes Jahr ein Wilhelm-Busch-Solo.‘ – Es war weniger eine Anfrage als vielmehr eine Aufforderung, der ich aber nur zu gerne nachkommen wollte. Zumal es nicht gänzlich überraschend kam, hatten wir doch schon Monate zuvor etliche Male über Leben und Werk des großen WB unterhalten. Jan stellte mir die Auswahl der Texte und die Konzeptionierung des Ganzen völlig frei; er wollte Regie führen.

Dann kam das Kopfzerbrechen. Wie sollte, konnte, müsste so ein Programm aussehen? Ich recherchierte im Netz, was es an Busch-Soli bereits gab und stieß auf eine enorme Anzahl Rezitationsabende, viele davon mit den üblichen Verdächtigen: Die fromme Helene, Hans Huckebein, etc. Somit stand fest: Es soll ein Theaterstück sein, möglichst nicht mit allzu bekannten Geschichten. Ich wälzte das Gesamtwerk und merkte: Stoff gibt’s ohne Ende, wundervolle Storys, Gedichte und Bilder, voller Komik und Weisheit. Ich stieß auf Bählamm und Klecksel, einen Dichter und einen Maler, wie Busch selbst. Warum also nicht Busch selbst spielen, der über seine Arbeit erzählt und seine gereimten Geschichten selbst präsentiert? Somit wurde für mich aber auch klar: Dann muss Busch von Anfang bis Ende, selbst wenn er mit dem Publikum plaudert, in Reimform sprechen.

Nun, das Skript entstand. – Ich weiß nicht, ob man sich vorstellen kann, was es bedeutet, sich anderthalb Stunden Gedicht in den Kopf zu drücken. Ich lernte während einer Kindertheatertour, aber zum Beginn des Theatersommers hatte ich das Mammut im Hirn … und nach nur sechs Probentagen machten wir bereits erste Durchläufe. – Vorbereitung lohnt sich.

Bei der Premiere im Hollfelder Kino Kintopp, gab dann meine Hose, die die gesamte Probenzeit gehalten hat, bereits im ersten Teil des Abends (zum Glück gegen Ende desselben) ihre Substanz auf und lüftete ihr Innenleben. Also mich. Bzw. meine Rückseite. Mittels eines monströsen Risses von gut 20 cm. Wir haben in der Pause versucht, das Malheur mit einem Tacker zu beheben. Ich musste also mit diesem Provisorium, dem ich nicht viel Vertrauen schenken konnte, auf die Bühne und hoffen, dass er mir nicht die Schau stahl. Jan versicherte mir anschließend, er habe es gar nicht bemerkt und äußerte unter amüsiertem Gekicher seine Verwunderung darüber, wie sich jemand so geschickt zur Verbergung eines Hosenloches bewegen konnte.

Als Haupt-Referenz darf ich inzwischen angeben, dass ich mit dem Stück eine Art Ritterschlag erhalten habe. Ich spielte es am 15. April 2013, also Buschs 181. Geburtstag in seinem Geburtshaus in Wiedensahl, direkt vor der Kammer, in der „Max & Moritz“ entstanden. Man lese hierzu auch den Artikel unten. Den Auftritt werde ich nie vergessen.

Presse

Münchner Merkur – August 2013 – Mittenwald
Was Veith auf der Bühne des Theaterraums im Mittenwalder Bahnhof präsentierte, seien ‚75% Busch, 25% Veith‘, wie er selbst sagt. Und er hat die Werke des Dichters zu einem facettenreichen Bild zusammengesetzt, das eine Hommage und kritische Beleuchtung zugleich ist. Im Stück wird der Schauspieler zu 100% Busch. In den zwei Stunden wechselt er immer wieder zwischen dem Dichter und den Charakteren seiner Werke. Er mimte den Maler Klecksel ebenso charmant und ausdrucksstark wie Balduin Bählamm, den verkannten Dichter und zeichnete damit ein klares Bild von Busch als waschechten Junggesellen, der die Ehe verpönt. ‚Manchmal bin ich auch ein Schwein, schön ist’s, Junggeselle sein.‘ Doch Veith ist bei seinen Recherchen zu einem anderen Schluss gekommen. ‚So ganz nehme ich ihm die Rolle nicht ab.‘ Und so lässt er den Dichter durchaus zweifeln, nachdenklich und betrübt über sein Leben sinnieren: ‚Sehr verzwickt ist diese Welt, wunderlich, wem sie gefällt.‘ Für besonders große Freude sorgt er beim Publikum mit der Zugabe: Seine ganz eigene Interpretation von ‚Max & Moritz‘, übersetzt ins Heute. – Janine Tokarski

Obermain Tagblatt – August 2013 – Bad Staffelstein
Zum dritten Mal präsentiert Schauspieler Markus Veith seine Hommage an Wilhelm Busch nun im Brückentheater des Fränkischen Theatersommers. Wie auch bei den letzten Aufführungen ist das Stück „Ein jeder Narr tut, was er will“ bis auf den letzten Sitz ausverkauft. Ein hölzerner Klappstuhl, Reisekoffer, Garderobenständer, allerlei Malutensilien und ein einzelner verlorener Pantoffel in der Bühnenmitte bilden die chaotisch durcheinandergewürfelten Requisiten und spiegeln damit das Innenleben Wilhelm Buschs wider. (…)
Der gebürtige Dortmunder schlüpft schon seit 2011 in die Rolle des Schriftstellers und kostet dabei jegliche Facette seiner Schauspielkunst aus. Ob knurriger Einsiedler, selbstherrlicher Raufbold oder melancholischer Lyriker – Veith pointiert die Charakterisierung Wilhelm Buschs und seiner Wegbegleiter schon fast ins Absurde und erntet damit etliche Lacher. 

Mindener Tageblatt, April 2013 – Wiedensahl
Grandioser Auswärtssieg zum 181. Geburtstag. Wenn Beifall das Brot des Künstlers ist, dann ist Markus Veith am frühen Dienstagmorgen gut genährt ins Bett gefallen. Gleich mehrfach gab es für den Schauspieler aus dem Ruhrpott Beifall auf offener Szene, als er den Tusch auf Wilhelm Busch spielte. 
In seinem Ein-Personen-Stück „Ein jeder Narr tut was er will“, einer Zeile aus Buschs spätem Gedicht Der Nöckergreis, gestattete er dem köstlich amüsierten Publikum einen Besuch in der Werkstatt des Malers und Zeichners, Dichters und Denkers. Dabei gelingt es Veith, sehr stark angelehnt im ersten Akt an den verhinderten Dichter Balduin Bählamm und nach der Pause an den gescheiterten Maler Kuno Klecksel, auf der Bühne ständig seine Position zwischen Schreibpult, Staffelei und Liegestuhl ändernd, das Multitalent Busch in vielen Facetten rüber zu bringen.
Veiths Busch, der quasi von einem seiner täglichen Spaziergänge durch die Wiedensahler Feldmark zurückkommt, ist zunächst wenig begeistert von den vielen Menschen, die ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen wollen. Doch bald arrangiert er sich mit ihnen, plaudert mit ihnen über Malerei und Dichtkunst, spielt mit ihnen. Er steht zu seinen Lastern von Pfeifen- und Schnupftabak über Bier und Rotwein bis hin zu härteren Getränken, philosophiert über die (fehlende) Anerkennung des Künstlers und gibt einen Einblick in Handwerk und Seelenleben gleichermaßen. Und hält den Sehleuten den Spiegel vor: „Euch hab ich aufs Maul geschaut!“ Im durchgehend im Versformat vorgetragenen Monolog kommt so der aktuelle Bezug nicht zu kurz. Auch wenn der „Lebenslauf bald erzählt“ ist, wird schon mal „gemerkelt“. Mit wechselnden Jacken und Kopfbedeckungen springt Veith von Person zu Person, mischt die mit eigenen Versen verbundenen Busch-Zitate munter durch, ohne den Faden zu verlieren.

Der heilige Antonius von Padua begegnet Krischan mit der Piepe. Und wenn der Erzbischof von Köllen seinen Auftritt hat, ist der karnevalistische Sprechgesang nicht zu überhören. Doch mit Klecksels Scheitern kommt nicht nur Kritik am Klerus über die Rampe. Dessen aktionsreiche Rache an ihm verbal vermöbelden Kritikus Dr. Hinterstich beim Aufmarsch in der Redaktion mit „Bleistift Numro 5 von Faber“ als Waffe lässt das Publikum kichern, gurren und Schenkel klopfen. Und schließlich lang anhaltenden Beifall spenden, der einen physisch sichtlich geschafften Markus Veith immer wieder vor den Vorhang holt. Beeindruckt von diesem Erfolg, greift der zur Brille und zum Manuskript und schiebt als Zugabe seine modernere Adaption von Max und Moritz nach, die anno Jetztzeit ihre Bosheit an Rollatorbremsen und Duschköpfen austoben. Neuer Applaus! Dabei war der gebürtige Dortmunder zunächst skeptisch gewesen. So sehr es ihm eine „große Ehre“ sei, am Busch-Geburtstag im Busch-Geburtshaus den Busch spielen zu dürfen, war ihm mit Blick auf fach- und sachkundige Besucher, die manchen angefangenen Dauerbrenner des Hausherrn genüsslich mitsprachen, doch ein wenig mulmig, hier punkten zu können. Am Ende war es ein grandioser Auswärtssieg. v. Friedhelm Sölter

Schaumburger Nachrichten – März 2012 – Bad Rehburg
Brillantes Schauspiel auf den Spuren des Menschen Wilhelm Busch, der wohl manchem eine neue Sichtweise auf Wilhelm Busch eröffnet. In die 90 gereimten Minuten aus seiner Feder hat Veith natürlich auch den echten Busch eingebettet, denn was wäre ein Abend über Busch ohne einige der Verse, die ein jeder kennt? Den genialen Kauz spielt Veith überzeugend, haucht ihm eine knurrende Seele ein, zeigt seine bekannteste Seite – den scharfzüngigen Humor – sein aufbrausendes Wesen, seine Arroganz, zeigt aber auch die Tücken dieses Lebenswandels. Jenseits von Max und Moritz und der Frommen Helene hat Veith sich dabei aber auf die Passionen Buschs verlegt: der verhinderte Dichter Balduin Bählamm werde wohl ähnlich wie der Maler Klecksel einige Seiten Buschs widerspiegeln, meinte Veith und baute beide Texte in sein furioses Schauspiel ein.
Und so wie Veith mit Bravour den verzagten Bählmann spielte, so schaffte er auch mühelos den Wechsel zum brummelnden Busch. Dessen Lebensresümee legt Veith indes in einen einzigen Satz. Donnernd beginnt er diesen Satz, um verzagt und leise zu enden: „Wer einsam ist, der… der hat es gut.“

Neue Presse – April 2011
Einfach köstlich, wie Veith mit vorzüglicher Schauspielkunst die bekannten ‚Strichmännchen‘ des alten Busch zum Leben erweckt. Von der lärmenden Kinderschar bis zum grillenhaften Philosophen, ganze Scharen bevölkern das Brückentheater, obwohl Veith allein über die Bühne tollt.