Einst, um eine Mittnacht

Solo-Theaterstück nach Edgar Allen Poe

Regie: Amelie Auer
Puppen: Thomas Glasmeyer – www.thomas-glasmeyer.de
Sounds: Alexander Terzakis – www.alexterz.com
Bilder: Christian Turk – www.christianturk.de
Kostüm: Anna Maria Max – www.atelier-angemessen.de
Fotos: Fränkischer Theatersommer, Christian Wagner
Eine Produktion des Fränkischen Theatersommers

Inhalt

Edgar Allan Poe… schon der Name verursacht Schauerstimmung und Gänsehaut, erinnert an lebendig Begrabene, an alte Gemäuer, die in stürmischer Nacht im Moor versinken, an dröhnenden Herzschlag unter den Fußbodendielen und natürlich an den Raben, der im Gedicht sein „Nimmermehr“ krächzt. Dieser düstere Vogel selbst ist es, der das Publikum auf humorvoll-gruselige Art in beklemmende Sphären entführt … 

Trailerproduktion: geni(e) Film- & Fotoproduktion

Bald als Hörbuch erhältlich.

Bestellungen sind jetzt schon möglich (und erwünscht). Einfach eine Mail an mich.

Doppel-CD, ca. 120 Min

Preis: 20,- €, plus Versandkosten

Fertigung geplant im Sommer 2019

 

Hier der Teaser:

 

Entstehungsgeschichte

Es ist viele Jahre her, da wurde mir auf einer Party „Der Rabe“ in die Hand gedrückt. Ich fing an zu lesen und es fesselte mich so sehr, dass für die Länge dieses Gedichtes alles andere um mich herum weggeschaltet war. Ein paar Jahre später war ich bei Theater Labyrinth und spielte in der Produktion „Liebe, Blut und Leidenschaft“, die aus vielen kleinen Szenen bestand. Hierfür brachte ich erstmals den Raben als Mini-Theaterstück auf die Bühne. Wiederum ein paar Jahre später verhalf mir das so umgesetzte Gedicht quasi dazu, Schauspieler zu werden, denn ich nutzte es für das Vorsprechen, das mich in ein professionelles Ensemble bringen sollte. An jenem Tag begegnete ich erstmals Tony Glaser. Die Tragweite der Tatsache, dass er Amerikaner ist, wurde mir erst bewusst, als ich ihm den Titel nannte, sich seine Brauen in die Stirn schoben, er sich zurücklehnte und grinste: „Lass sehen.“ Einem amerikanischen Regisseur ausgerechnet den Raben zu präsentieren, den in den USA jedes Schulkind auswendig lernen muss, war schon recht gewagt. Aber er ließ mich das komplette Stück von 20 Minuten Länge abspulen. 
Dann, während der Theatersommer-Saison 2013, äußerte ich die Idee, die zahlreichen Schlösser, Gewölbe und anderen Spielorte für ein Gruselstück zu nutzen. Da mein Intendant davon gleich angetan war, schmökerte ich alle mögliche Grusel-Literatur, vor allem Anthologien. In jeder war mindestens eine Story von Poe dabei. Somit lag der Entschluss nahe, das Stück komplett den bei diesem Altmeister zu belassen. Außerdem stellte ich fest: Selbst diejenigen, die nie eine Geschichte von Poe gelesen haben, haben allein bei der Nennung des Namens gleich Bilder im Kopf und ordnen ihn dem Grusel-Genre zu. Auch erkannte ich, wie unglaublich groß die Fan-Gemeinde ist, und dass sie nicht nur die Älteren betraf. Diese Liebhaber sind nur alle weitestgehend unsichtbar, denn allzu viel Neues schreibt Poe heute ja nicht mehr.


Aber welche Storys sollte ich in das Stück nehmen? Der Rabe war natürlich Pflicht. Aber beim Durchschmökern des Gesamtwerkes wurde mir klar, dass nur bekannte Geschichten wirklich geeignet waren. Poe verschwurbelte sich oft und gerne in wissenschaftlichen und philosophischen Erklärungen, sein Humor ist ab und an schon sehr bemüht und schwierig und die Gruselgeschichten haben nicht selten eine depressive Schwere. Ich dachte, es wäre nicht gänzlich unangebracht, dem Ganzen etwas Pep zu verleihen. – Könnte man hieraus tatsächlich eine Komödie machen? Sogar in Reimform? Aber warum (nach Busch und Eulenspiegel schon wieder) in Reimform? – Es musste irgendeine Begründung dafür geben. Warum spricht der da vorne in Reimen? – Nun, der Rabe war zunächst das einzige Gedicht, dass ich verwenden wollte. Angenommen, dieser Vogel wäre ein wahrer Klugscheißer wäre, der aus der Handlung ausstiege und mit dem Publikum spräche, ein bisschen über seinen Schöpfer referiere, (der ihn mit dem bekannten „Nimmermehr“ auf ein Wort Sprechtext reduziert hat, was ihn ziemlich anpissen würde,) um dann weitere Geschichten zu präsentieren … 
2014 lernte ich Amelie Auer kennen und bemühte mich, sie als Regisseurin zu gewinnen. Ich fragte Thomas Glasmeyer, ob er mir Puppen herstellen könne. Ich hatte bereits versucht, zwei Poe-Geschichten (Die schwarze Katze und Das verräterische Herz) wegen ihrer vielen Gemeinsamkeiten zu einer einzigen zusammenzuschieben. In Alexander Terzakis – eh schon erfahren in der Vertonung von Grusel – fand ich einen sehr bereiten Ton-Zauberer. Außerdem hatte ich inzwischen die Verfilmung von Der Untergang des Hauses Usher mit Vincent Price gesichtet und war höchst angetan von der Ahnengalerie, die in der Originalstory gar nicht vorkommt. Infolgedessen kam nicht nur die Idee, Christian Turk mit ins Boot zu holen – einen meiner besten Freunde und einen brillanten Comic-Zeichner – sondern auch, aus der Galerie eine Hommage zu machen.
Ist das Merken, vielmehr das Auswendiglernen von viel Text, zudem gereimten, für Zuschauer offenbar ein Ding irgendwo zwischen Wunder und Selbstkasteiung, so war dieses Stück auswendigzulernen die Hölle. Dass ich selbst den Text geschrieben hatte, machte die Sache nicht leichter; im Gegenteil.


Die Inszenierungsproben starteten im März in Franken, nachdem ich von Thomas schon die fertigen Puppen und Bühnenbildelemente erhalten hatte. Die Zusammenarbeit mit Amelie war wundervoll. Obwohl es schon schwierig für die Regie werden kann, wenn der Schauspieler gleichzeitig der Autor des Stückes ist. Aber wir sind beide extrem gut damit umgegangen. Oft bat ich mir zwei Probentage allein aus, weil ich erstmal mit der Materie kämpfen musste, nicht nur mit Raum und Text, auch mit den Puppen. Ich bin ja kein gelernter Puppenspieler. Thomas hatte mir ein paar Griffe gezeigt, wie meine neuen Bühnenpartner zu händeln sind, aber bis das alles annähernd flüssig funktionierte … (Der Probenraum im Alten Hollfelder Amtsgericht hat sicher einige neue Flüche gelernt.) Dann hab ich es Amelie vorgespielt und sie hat an dieser Substanz gefeilt. Klappte bestens. 
Die Premiere war im Brückentheater in Bad Staffelstein. Beruhigend für mich: Dort ist’s immer voll und das Publikum äußerst dankbar. Dennoch fand ich es äußerst schade, dass der Theatersommer, (wie leider schon bei Eulenspiegels Enkel) den werbe- und pressetechnisch günstigen Umstand ungenutzt ließ, dass es sich schließlich um eine Uraufführung handelte.
Das Stück musste sich erst ein bisschen rumsprechen. Aber die Leute waren immer begeistert und letztendlich war der Großteil der Aufführungen gut besucht bis ausverkauft, ab und an mussten gar Leute wieder gehen, weil einfach keine mehr reinpassten. Die Rechnung mit den Spielorten ging ebenfalls auf. Die Kapelle auf Burg Wiesentfels, der Rittersaal auf Burg Rabeneck, unterm Torbogen von Schloß Geyerswörth, vor den Ruinen in Bärnfels … geile Stimmung, jedes Mal.

Presse

„Der Rabe führt durchs Gruselkabinett“ – Frankenpost – 02.09.2015

Markus Veith glänzt auch in der Finsternis von Edgar Allan Poe. In der Aufführung „Einst um eine Mittnacht“ überzeugt er durch Wandlungsfähigkeit und trockenen Humor.

Neudrossenfeld  Da hätte der Altmeister Edgar Allan Poe wohl auch seine Freude gehabt. Unter dem Titel „Einst um eine Mittnacht“ nahm Markus Veith die Besucher mit in die Welt des Autors berühmt-berüchtigter Gruselgeschichten, ließ sie teilhaben an den düsteren Geschehnissen, die dessen genialer Geist erschuf. Dabei glänzte Veith mit einer passionierten, stürmischen Darbietung, ließ die kriminelle Energie der verwerflichen Figuren förmlich durch den Raum schweben, sorgte mit bösem, trockenem Humor aber auch für mancherlei Lacher im Publikum.

Das schwarze Federvieh – Wenn der Name Edgar Allan Poe erklingt, denkt jeder wohl sogleich an dessen berühmteste Schöpfung, das Gedicht Der Rabe. Und so zieht sich der Vogel auch als quasi roter Faden durch den Abend, taucht Veith immer wieder als das schwarze Federvieh auf, das schauerlich krächzend und dennoch auf ulkig-amüsante Weise die Besucher verzückt.

Die alte Vermieterin – In einer famosen Leistung schlüpft Veith in die verschiedenen Rollen und bringt so dem Publikum fünf Werke näher. In Das verräterische Herz spielt er in superber Art die zwiegespaltene, zwielichtige Gestalt des Mieters, der mit der Präsenz seiner alten Vermieterin samt ihrer Katze, ihrer zuvorkommenden Freundlichkeit, ihrem Schmatzen beim Essen, ihrem Herzschlag, den er des Nachts hört, und vor allem mit ihrem einen starrenden Auge, nicht klar kommt. Beherrscht er zunächst noch mühsam seine niederen Instinkte, der Alten eine Lektion zu verpassen, sie gar umzubringen, wird er endlich doch noch zum Mörder, lebt danach seine ganze erfüllte Befriedigung, seine Zufriedenheit mit sich selbst aus.

Im Dialog mit Puppen – Eine besondere Note verleihen der Aufführung die von Thomas Glasmeyer gefertigten Puppen, die Markus Veith geschickt in die einzelnen Szenen mit einbringt, sie fast als selbst agierende Schauspieler oder im Fall der Katze als lebendes Wesen auf der Bühne behandelt, sich mit ihnen in Dialogen verstrickt wie in Der Untergang des Hauses Usher. Dort palavert er mit Roderick Usher, betrachtet mit ihm die Ahnengalerie der Familie Usher, die Christian Turk gemalt hat. In der tauchen plötzlich bekannte Gesichter auf, Opa Boris beispielsweise, der doch sehr dem legendären Frankenstein-Darsteller Boris Karloff ähnelt.

Veith präsentiert sich in „Einst um eine Mittnacht“ in seiner ganzen wandlungsfähigen schauspielerischen Vielfalt, spielt Hoffnungslosigkeit und Seelenschmerz ebenso überzeugend wie er bösartige, heimtückische Wesenszüge lebendig werden lässt, verzückt aber auch mit bitterbösem, schwarzem Humor und bizarrer Komik.

Teuflisch böse – Dramaturgisch exzellent in Szene gesetzt ist das Stück, für dessen Regie Amelie Auer verantwortlich zeichnet, nicht zuletzt auch durch die gelungenen musikalischen Einspielungen. Ein Stück, das Edgar Allan Poe wohl mit zwei einfachen Worten beschreiben würde: teuflisch böse – beziehungsweise gut.              von R. Unger

„Zwischen Grusel und Komödie“ — Nordbayerischer Kurier – 02. Juli 2015

Im Grunde hätte der Rabe sagen können, was er will. Nur eben nicht „Nimmermehr“. Es ist das falscheste, was man über die Gruselkomödie „Einst um eine Mittnacht“ von M. Veith (Regie: Amelie Auer) sagen kann. Im Rahmen des Theatersommers krächzte, flüsterte und brüllte sich der Dortmunder Schauspieler und Schriftsteller in seinem Ein-Mann-Stück durch fünf Werke des Grusel-Literaten Edgar Allen Poe. Und nicht mal Sonnenschein und Vogelgezwitscher konnten ihn davon abhalten, gruselig zu sein. Von einer Sekunde zur anderen wechselt Veith als der Mörder aus „Das verräterische Herz“ von rasender Wut zur Verzweiflung und von listiger Verschlagenheit wieder zurück zur rasenden Wut. Dann wieder schleicht er als Rabe über die Bühne (Kostüm: Anna Busch), krächzt schaurig von der Vergeblichkeit allen Tuns und wechselt sofort wieder zum zu Tode erschrockenen Trauernden. Der sich dann darüber ärgert, dass der Rabe ihm auf den Schreibtisch gekackt hat.

Denn M. Veith ist nicht nur gruselig, sondern hat auch einen Hang zur absurden Komik. Da kommt die Wut manchmal davon, dass die verhasste Mieterin mit dem laut pochenden Herzen ihrem späteren Mörder ständig Plätzchen anbietet. Und als Freund führt er mit dem melancholischen Roderick Usher kurz vor dem „Untergang des Hauses Usher“ ein herrliches Streitgespräch darüber, ob es eine gute Idee ist, ihm zu Ablenkung aus „Shining“ von Stephen King vorzulesen. Nur um sich dann anhören zu müssen, dass die Vorstellung eines lebendigen Hauses, wie sie King beschreibt, ja wohl völlig absurd sei. Wenn schnelle Dialoge den Personenwechsel unmöglich machen, greift Veith auf grandiose Puppen zurück (geschaffen von Thomas Glasmeyer), die fast schon eine eigene Parodie des Grusel-Geschehens darstellen. Was auch für die Ahnengalerie Roderick Ushers (gemalt von Christian Turk) gilt, die nicht ganz zufällig berühmten Gestalten des Horror-Genres ähneln. So präsentiert Roderick Usher dem alten Freund etwa seinen Großvater Boris oder auch Mutter Mary-Shelly Usher.

Veith beginnt mit dem Gedicht „Der Rabe“, aus dessen erster Zeile sich auch der Titel des Stücks herleitet, und behält die Reimform fast durchgehend bei. Mit einer Ausnahme: den schlechten Witzen des Mörders kurz vor seiner Hinrichtung, mit denen er hofft, sich vorher noch totlachen zu können. Unterstützt wird er von Lichteffekten und Gruselgeräuschen von Alexander Terzakis. Wobei die Lichteffekte im dunklen Verlies von Burg Rabeneck wohl mehr wirken, als in den Neuen Kolonnaden Bad Bernecks. Man möchte dem Raben zurufen: „Vergiss dein ‚Nimmermehr‘!“ In diesem Fall wäre „Gerne wieder“ deutlich angebrachter. Sarah Bernhard