Fränkischer Theatersommer

Bei der Landesbühne Oberfranken – oder dem Fränkischen Theatersommer – war ich sieben Jahre (oder besser: Sommer) engagiert. 2010 bis 2017. Hierzulande – sprich: in NRW – würde man es als Provinztheater oder Kleine Klitsche bezeichnen. Doch ist es viel mehr. Ich konnte dort nicht nur die ersten drei meiner Solo-Theaterstücke inszenieren und auf die Bühne bringen, ich spielte dort auch wunderbare Rollen, nach denen sich jeder (männliche) Schauspieler die Finger leckt, den Malvolio in Was ihr wollt, den Faust, den Professor Higgins in My fair Lady, um nur einige der allgemein bekanntesten zu nennen.

Es war eine abenteuerliche Zeit, die – das muss ich gestehen – oftmals wirklich an die Grenzen ging. Zumindest für mich eingefleischtes Stadtkind. Das sehr malerische Schloß Aufseß, wo ich in den ersten vier Sommern in komplett aus Schauspielern bestehenden WGen untergebracht war, lag ziemlich ab- und vor allem aufwärts gelegen, nämlich auf’m Hügel. Und das Alte Amtsgericht in Hollfeld, meine Wohnstatt ab 2014 und ebenfalls auf’m Hügel, hatte zwar den Nachteil, im Frühjahr, wenn die Proben begannen, und im Frühherbst, wenn die Saison dem Ende zuging, nur mit dauerlaufenden Ölöfen bewohnbar zu sein, bestach dafür aber mit dem Vorteil, sich zumindest in einer Ortschaft mit erreichbarem Supermarkt zu befinden.

In der fränkischen Schweiz gibt es gefühlsmäßig an jeder Straßenecke ein Schloss, ebenso Gasthäuser und Brauereien. (Aufseß steht im Guinness-Buch als der Ort, der weltweit und gerechnet an der Einwohnerzahl die größte Brauereien-Dichte hat: auf 250 Menschen kommt eine Brauerei – ich frage mich heute noch, wie wichtig dieses Wissen ist, aber gut.) Mit einer fahrbaren Bühne spielten wir in oder an Schlössern und anderen alten Gemäuern, auf Markt- oder Kirchplätzen, in Gastronomien und Galerien, in Gemeindehäusern und Schulen, also eigentlich überall. Das hieß auch für uns Schauspieler: Mitauf- und -Abbau der Bühne und der Kulissen, der Licht- und Soundanlage, Einrichten sämtlicher Kostüme und Requisiten. – Ja, war anstrengend, aber hey: Viele Hände, schnell zu Ende!

Angenehm befremdlich an den letzten Jahren war die Tatsache, dass sich mein langes Engagement in Franken mehr und mehr auswirkte. Ich hatte es lange Zeit als Witz belächelt, wenn im FTS-Büro behauptet wurde, die Zuschauer würden immer öfter im Vorfeld nachfragen, in welchen Stücken speziell der Veith mitspiele. Und nach den Auftritten kamen immer öfter Leuten auf mich zu und erzählten, sie hätten mich in dem und dem Stück gesehen und dieses und jenes wollten sie unbedingt noch besuchen, ob ich denn nächstes Jahr wieder und bei was usw. – HolladieWaldfee! Das ist schon bizarr für ein Kind aus der Dortmunder Arbeiterklasse.
Das Skurrilste aber: Ich hatte in einem Jahr offenbar eine/n Gastronomie-Mäzen/atin! Ich durfte in meinem Hollfelder Lieblingscafé, dem Märchenwinkel, konsumieren, was ich wollte, denn es gab jemanden, der alles bezahlte … und anonym bleiben wollte. Hey, das war mir nur allzu recht ! Aber ein bisschen gruselig war’s schon …

2016

„Verlorene Liebesmüh“

Komödie von William Shakespeare

Mit Susanna Bauernfeind, Laura Mann, Maria Albu, Martin Habermeyer, Stephan Bach, Benjamin Bochmann und mir;  Regie: Heidi Lehnert

 

„My fair Lady“

Musical von A.J. Lerner & F. Loewe

Mit Stefanie Rüdell, Lutz Götzfried, Klaus Wührl-Struller, Viola Robakowski und Mitgliedern der Cadolzburger Burgfestspiele

 

„Das Orangenmädchen“

Musical von M. Lingnau, C. Gundlach u. E. Jeske nach dem Roman von Jostein Gaarder

Mit Clarissa Hopfensitz, Marina Esslinger, Johannes Leichtmann und mir; Piano (auch Regie): Ruth Weisel, Cello: Peter Ackermann

 

2015

„Der eingebildete Kranke“

Komödie nach Molière

Mit Thomas Glasmeyer, Heidi Lehnert, Laura Mann, Bettina Wagner, Marina Esslinger, Marc Borchert, Stephan Bach, Clarissa Hopfensitz und mir; Regie: Jan Burdinski

Geständnis:

Manchmal gibt es Theaterstücke, die sind für mich als Schauspieler reine Jobs. Das Stück hat mich nicht dazu gebracht, meine Antipathie gegen Molière zu verringern. Der Plot mehrerer Stücke ist nahezu identisch, (er machte sich nicht einmal die Mühe, die Namen zu ändern,) die Figuren sind eindimensional und das Ende meist an den Haaren herbeigezogen. Mit einem guten Ensemble kann man was draus machen, aber meine Meinung nach liegt das wahrlich nicht an Molières Stücken selbst. – Aber hey, was den Leuten Spaß macht, hat seine Berechtigung.

Erinnerung:

Es mag verwundern, warum dieses Jahr weitaus dünner als die anderen ausfällt. Das liegt zum einen daran, dass etliche Stücke übernommen wurden. „Was euch gehört“ wurde schon 2014 inszeniert, kam aber in diesem Jahr immerhin mehrmals auf die Bühnenbretter. Zum anderen inszenierte ich mein Solo „Einst um eine Mittnacht“ , welches unter den Solo-Theaterstücken eine eigene Sparte hat. Zudem spielte ich wieder in „Der zerbrochene Krug“, „Zwei waagerecht“ mit und eben meine anderen beiden Solo-Stücke, also in sieben Produktionen, insgesamt um die sechzig Auftritte. Nein, ich konnte mich nicht über Langeweile beschweren.

 

2014

„Der zerbrochene Krug“

von H. v. Kleist

Mit Stephan Bach, Benjamin Bochmann, Ingrit Gabriel, Heidi Lehnert, Kirsten Annika Lange, Laura Mann, Alexander Voß und mir

 

„Zwei waagerecht“

Zwei-Personen-Stück; eine ‚Rätsel‘-hafte ungewöhnliche Liebesromanze

Mit Laura Mann und mir; Regie: Jan Burdinski

Erinnerung:

Nach den Proben (ohne Testpublikum) überkamen uns Skrupel, denn als Schauspieler bemerkt man oft das Potenzial von Pointen nicht mehr. Wir rechneten zwar damit, dass das Stück funktionieren würde, aber mit den Reaktionen, die sich uns dann bei der Premiere offenbarten, haben wir nicht gerechnet. Es war großartig; die Leute klatschen extrem lange. Selbst der Feuilletonist stand auf und rief ‚Bravo‘. Wow!

Gleich 2 Tage später der nächste Auftritt in Aufseß. Wegen eines wirklich blödsinnigen logischen Denkfehlers meinerseits standen wir dort vor einem Dilemma: Die zwei (von mir) georderten Bühnenplatten reichen nicht für unseren Bühnenaufbau aus. Herrn Roth, der Wirt der Alten Post, rettete uns ‚mal eben‘, indem er mit Brettern auf Bierkästen (!) eine Bühnenerweiterung zimmerte. Wurde ebenso eine tolle Aufführung vor recht vollem Haus. Jau, das Stück machte richtig Spaß und wir spielten es ja auch im Folgejahr erneut.

 

„FAUST – der Tragödie I. Teil“

von J. W. v. Goethe

Mit Stephan Bach, Benjamin Bochmann, Maria Albu, Jan Burdinski, Kirsten Annika Lange, Eike Domroes, Laura Mann, Alexander Voß und mir

Erinnerung:

Wir spielten den Faust bereits 2013, mit Peter Kempkes in der Rolle des Faust. Mir fielen in der ersten Saison die Rollen des Wagner und des Frosch (einer der Saufköppe in Auerbachs Keller) zu und diverse (noch) kleinere Röllchen. Damit war ich zufrieden, denn ich hatte für meine Gage nicht viel zu tun und in der nur zweiwöchigen Probenzeit keinen allzu großen Stress. Doch da Peter in diesem Jahr nicht mehr dabei war, fragte mich mein Intendant, ob ich seine Rolle übernehmen wolle. – Selbst wenn die Alternative ist, in einer Wiederaufnahme mit denselben Rollen eine ruhige Kugel schieben zu können: Zum Faust sagt man einfach nicht Nein. Der macht sich schon allein verdammt gut in der Vita.

Doch so toll es natürlich toll ist, die Titelfigur eines Stückes zu spielen, besonders dann, wenn das Stück sehr bekannt ist, muss sich jeder Schauspieler darüber klar sein, dass die Gegenpart-Rolle oft die interessantere und dankbarere ist. Man muss ein verdammt guter Othello sein, um gegen einen mittelmäßigen Jago zu bestehen. So auch bei Goethes Faust. Wer mag schon diesen alten Vollpfosten, Partypuper und pädophilen Heinrich? Mephisto ist derjenige, der den Zuschauern im Gedächtnis bleibt. Quadflieg war gut, aber Gründgens wurde zur Legende. Peter, für den es bereits die 3. Inszenierung als Faust gewesen war, bestätigte: „Als Faust musst du mit beiden Füßen im Leben stehen“, der Satz klingt mir heut noch in den Ohren … und nun verstand ich auch, was er meinte.
Ich begann schon im November den Text zu lernen, denn ich ahnte, welche Schwierigkeiten mir die geschwollene, alte Sprache bereiten würde, obwohl ich das Reime-Lernen gewohnt war. Auch wusste ich, wie penibel vor allem das ältere Publikum den Goethe selbst auswendig kann. Da musste jedes Wort an der Stelle sitzen, wo es hingehört. Und, verdammt, wenn ich Text brabbelnd durch die weihnachtliche Dortmunder City zog, habe ich ab und an geflucht wie ein Kesselflicker.

 

„Was euch gehört“

von Roald Hoffmann

Mit Marsha Cox, Heidi Lehnert (Kirsten Lange 2014), Laura Mann, Bettina Wagner, Alexander Boock, Axel Eichhorn, Lars Eichhorn, Karin Schubert (Karolin Barczyk 2014)
Regie: Jan Burdinski

Erinnerung:

In dem Stück geht es um Roald Hoffmann selbst, um seine Kindheitserfahrungen während der nationalsozialistischen Besatzung seiner polnischen Heimat und wie er und seine Mutter später, in den 90er Jahren, mit der Erinnerung an damals umgingen. Das Stück wurde, was absonderlich war, erst kurz vor Saisonende produziert. Die Proben waren hart und die Premiere ziemlich schräg. Zum einen lagen meine Nerven ziemlich blank. Zum anderen aber kam der Autor selbst. – Hoffmann, seines Zeichens Chemie-Nobelpreisträger, wurde schon vor und während der ganzen Probenzeit hofiert bis zum Gehtnichtmehr und bei jeder sich bietenden Gelegenheit wurde diese Auszeichnung erwähnt. Ich konnte den Titel einfach nicht mehr hören, zumal es in dem Stück in keinster Weise um Chemie geht.

Es passiert nicht häufig, dass man als Schauspieler dem Autor des Stückes begegnet, in dem man mitspielt. Hier nun aber war die Handlung nicht erfunden und ich spielte darüber hinaus ihn selbst. Holocaust, Vergangenheitsbewältigung, Mutter-Dilemma, Erinnerungsdefizit zum Vater … Puh, das ist eine Nummer für sich. – Nun, Hoffmann war bereits bei der Generalprobe dabei und ich muss gestehen, dass ich mich beiseite hielt, weil ich nicht wusste, wie ich mit ihm kommunizieren sollte, sowohl praktisch, da mein Englisch alles andere als gut ist, wie auch inhaltlich. Ich hätte mich gerne mit ihm alleine getroffen und über das Stück, über ihn und alles unterhalten, aber er war einfach immer umringt. — Nach der Probe kamen er und seine Frau auf die Bühne. Mit Tränen in den Augen. Er umarmte mich ohne weitere Worte … Scheiße, ich hätt fast auch geheult.
Die Premiere war, meine ich, ein ziemlicher Erfolg. Gut gefüllt, Lob von allen Seiten. Nachher waren wir noch in ein benachbartes Wirtshaus geladen. Obwohl ich lange vor dem Lokal auf und ab tigerte, bin ich letztendlich nicht hineingegangen. Es tat mir unendlich leid, aber es kam mir so unglaublich falsch vor. Hoffmann ist ein wirklich interessanter, sehr bescheidener und liebenswürdiger Mensch; ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese Hofiererei ihm wirklich recht war. Und die Vorstellung, ihm nun näher zu begegnen, wenn ich eben noch ihn selbst und seine eigene Geschichte gespielt hatte, während jetzt alle möglichen Menschen um ihn herumschlawenzten, war für mich unmöglich. Verdammt, das ist eine sensible Nummer, das geht nur unter vier Augen. Kann man das nachvollziehen?

 

2013

„Was ihr wollt“

von Wiliam Shakespeare

Eine Komödie voller Liebeswirrwarr, süßer Melancholie und erfrischendem Schabernack.

Mit Stephan Bach, Juliane Fechner, Peter Kempkes (auch Regie), Christiane Reichert, Ingrit Gabriel und mir

Außerdem kam in diesem Jahr „Eulenspiegels Enkel“ zur Uraufführung. Zu dem gibt es allerdings eine gesonderte Seite unter den Solo-Theaterstücken.

Des weiteren Spielte ich, wie oben erwähnt, in der ersten Inszenierung von Goethes „Faust“ einige Nebenrollen.

 

2012

„Männersache“

Musical nach dem Drehbuch ‚Männer‘ v. Doris Dörrie; Buch und Songtexte: Joe DiPietro, Musik: Jimmy Roberts

Mit Christiane Reichert (auch Regie), Juliane Fechner, Alexander Voss und ich. Am Piano: Lioubov Knjazew – Fotos: TMO Bilderwelten Tom Schneider

 

„Tartuffe“

Komödie von Moliére

Mit Juliane Fechner, Ingrit Gabriel, Christiane Reichert, Karin Schubert, Karolin Trübenbach, Sandra Weber, Stephan Bach, Benjamin Bochmann, Hubert Burczek, Alexander Voss und mir, Regie: Jan Burdinski

 

„Pinocchio“

Kindertheaterstück nach Collodi, bearbeitet und inszeniert von mir
Mit Alexander Voss und Karolin Trübenbach

Erinnerung:

Ich wurde gefragt, ob ich für diese Saison ein Kindertheaterstück für zwei Darsteller schreiben und inszenieren könne und wir einigten uns auf ‚Pinocchio‘. Ich selbst sollte nicht mitspielen, um Spielterminüberschneidungen zu vermeiden. Doch da zunächst lange Zeit die Besetzungsfrage nicht klar war, fiel mir das Ersinnen schwer. Würde es Mann & Frau, Frau & Frau oder Mann & Mann sein? Außerdem der Habitus und das Alter. Es ist schon erheblich, wenn ein fünfzigjähriger Riese die Fee darstellt.

Zudem wurde mir beim Lesen des Originals klar, dass man ‚Pinocchio’ heutzutage nicht mehr 1:1 machen kann, ohne dass es altbacken wirkt, denn der ursprüngliche Text (von 1883) predigt, dass ein Kind brav und artig und anständig zu sein hat. Natürlich gilt es auch heute noch, dass ein Kind nicht die Schule schwänzen oder lügen sollte, doch die Vorstellung des Braven Kindes zu Collodis Zeiten ist heute kaum zeitgemäß.

Dann wurde klar, dass mein Musical-Kollege und Lieblingsnachbar Alexander Voss von der Partie sein würde; hinzu kam eine neue Kollegin: Karolin Trübenbach. Und als ich hörte, dass der Körpergrößenunterschied zwischen den beiden recht enorm sei, kam mir auch allmählich die Idee, wie das Stück neu und frech angelegt werden könnte: Ich habe den Fuchs und die Katze das Stück erzählen lassen, also die beiden Übeltäter der Geschichte, wobei die Katze Schnurre Felizitatz (Karolin) ausschließlich Pinocchio spielt und der Fuchs Reini Reudig (Ali) alle anderen Figuren. – Armer Ali … ich glaube, ich habe ihn ganz schön getrieben.

Anfang April begannen die Proben. Wir schafften es, das Stück innerhalb von fünf Tagen ‚rund‘ zu bekommen; also grob fertig, aber noch nicht aufführungsreif. Das war 1. Etappenziel, denn danach mussten wir alle für andere Stücke proben und die Premieren von sechs anderen Stücken fielen in den Zeitraum nur weniger Tage, wurden also auch alle gleichzeitig geprobt. An manchen Tagen probten wir drei verschiedene Stücke an drei verschiedenen Orten. – Aber irgendwie schafft man es ja zum Ende doch immer.

 

2011

Die Anzahl meiner Auftritte in diesem Jahr verdoppelte sich im Vergleich zu 2010. Das lag daran, dass „Ich liebe dich …“ verlängert wurde, mit „Hilfe, wir machen Urlaub!“ ein weiteres Musical hinzu kam, ich mein erstes Solo-Theaterstück „Ein jeder Narr tut was er will“ machen konnte, zudem ein ebenfalls sehr erfolgreich gespieltes Kindertheaterstück und das Lesungs-Stück „LoveLetters“. Vielleicht noch zu erwähnen: In diesem Jahr hatte ich ein Auto, somit war es um einiges erträglicher als 2010.

„Hilfe, wir machen Urlaub!“

Ein musikalische Reise ins ganz normale Urlaubschaos

Mit Christiane Reichert (auch Regie), Diana Barth, Alexander Voss und ich. Am Piano: Lioubov Knjazew

Erinnerung:

Durchs Vorjahr ein bisschen sicherer geworden im Gesang, legte meine Regisseurin ein Schäufelchen drauf: „Welpenschutz ist vorüber; du singst gefälligst, was du singen sollst. Ach so, und ein Lied musst du lispelnd singen.“ – Aahjaa …

Ali und auch meine Kolleginnen waren in der Musical-Ecke nahezu daheim und so kam es während der Proben öfter zu einigen recht komischen Situationen, denn wer sich auskennt, spricht natürlich auch im gängigen Jargon …

„Und dann Shimmy-shimmy.“ – „Alles klar.“ – „Wir machen … WAS? Okay, erkläre es mir wie einem Dreijährigen.“

oder

„Jets nach vorne rechts.“ – „Okay.“ – „Jets?“ – „Ja, wir laufen wie die Jungs in WestSideStory.“ – „Ah, gut, … und wie laufen die, verdammte Hacke?!“

oder

„Dann gebt ihr Gummi zum QuickChange.“ – „Ich soll mich schnell umziehen?“ – „Korrekt.“ – „DANN SAG DAS DOCH AUCH!“

Ali war so rührend: Als Premieren-Geschenk erhielt ich von ihm ein Vokabelbuch mit sämtlichen Begriffen.

Oja, und dann dieses Highlight: Aus dem Nordbayerischen Kurier, 23. Mai 2011:
Eigentlich passte dieser Beginn wie geplant zu dem Musical „Hilfe, wir machen Urlaub“; verspricht doch schon das Programmheft, dass es „eine Reise ins Chaos“ wird. Wegen Regens mussten Ensemble und Publikum spontan umbuchen. Doch so leicht lassen sich erfahrene Reiseleiter und Animateure – pardon: Musicaldarsteller und Schauspieler – nicht aus der Fassung bringen. In einer Blitzaktion bauten sie zusammen mit den beiden Technikern des Theatersommers die gesamte Bühne auf dem Marienplatz ab und in St. Gangolf wieder auf, begleitet, beobachtet und beklatscht von dem stetig in den kleinen Raum strömenden Publikum. Statt auf dem weitläufigen Marienplatz drängten sich die Mitreisenden somit im komplett überfüllten Kulturzentrum St. Gangolf. Und mit nur wenig Verspätung traten die beiden Herren, die eben noch mit Akkuschrauber den Bühnenaufbau sicherten, und die beiden Requisiten schleppenden Damen, als ob nichts gewesen wäre, vor den blauseidenen Bühnenvorhang und nahmen die Zuschauer mit auf die schwungvolle und witzige Reise voller Urlaubspannen, Pauschaltouristen-Déjà-vu-Situationen und bedachten die Crew dankbar mit viel Zwischen- und langem Schlussapplaus.“

„Love Letters“

von A.R. Gurney, mit Christiane Reichert und mir; Regie: Jan Burdinski

 

2010

„Ich liebe dich, du bist perfekt, jetzt ändere dich!“

Eine bunte Szenenfolge über die Irrungen und Wirrungen des Liebesleben

Mit Christiane Reichert (auch Regie), Jenny Knoop (2010), Diana Barth (2011), Alexander Voss und ich sangen, spielten und tanzten uns durch über 50 Rollen.
Buch und Liedertexte von Joe DiPietro, Musik von Jimmy Roberts.

Erinnerung:

Kann man sich vorstellen, welche Muffe man als Schauspieler hat, wenn man als solcher keinerlei Erfahrung mit Musicals hat, diese nicht einmal wirklich mag, zwar einen Ton treffen und halten, aber keine Noten lesen kann, tanzt wie eine Kuh nach dem Melken, und sich dann mit der Aufgabe konfrontiert sieht, ein Musical zu bewältigen, während die Kollegen allesamt eine abgeschlossene Gesangsausbildung vorweisen können? – Da man mir allerdings statt Noten auch genauso gut Hieroglyphen geben kann, blieb mir nichts anderes übrig, als mir meine Gesangspassagen von einer (englischsprachigen) Aufnahme abzuhören und dann in Deutsch umzusetzen. Die erste Probe war ernüchternd und ermunternd zugleich: „Okay, du zwar nicht die Stimme, die du singen solltest, aber was du singst, ist immerhin richtig.“

Bei den Proben hatte ich meine Verzweiflungsmomente, aber letztendlich wurde mir Welpenschutz gewährt und es funktionierte, indem meine anderen Kollegen ‚um mich herum‘ sangen. Letztendlich fühlte mich in dem Stück wohl. „Ich liebe dich …“ ist ein wirklich wunderschönes Musical mit Szenen, die so ziemlich jeder kennt und drum umso komischer sind. Es wurde ein hübscher Erfolg und etablierte nicht nur erstmals ein Musical innerhalb des Theatersommers, sondern meinen Mut, meiner Stimme mehr zuzutrauen.

 

„Über allem Zauber Liebe“

von Calderón de la Barca
Eine zauberhafte Geschichte um und über die Liebe zwischen Zirce und Odysseus, mit viel Donner und Getöse, mit Verwandlungen und Entzauberung. Das Stück spielte ausschließlich auf der Romantikbühne in Bad Berneck.

Erinnerung:

Wir spielten ohne Mikro-Verstärkung. Wohlbemerkt: Auf einer Freilichtbühne! Befand man sich an der Ruinenmauer oder auf einem der Pfade im Berg musste die Stimme bis zu den hinteren Zuschauern eine Distanz von circa 40 Metern überbrücken. – Man brülle dann mal romantisch: „ICH LIEBE DICH!“

Am Anfang waren Jenny und ich richtige Kuss-Schisser. Mit hochroten Köpfen haben wir die Szene so schnell wie möglich abproben wollen. Aber irgendwann, so 2 Wochen vor der Premiere: „Du-hu, können wir an der Stelle nicht länger? Und in dem Dialog danach, da könnten wir doch auch, ginge das?“ – Kurz vor einer dieser Kussszene war ein Bühnenkampf und ich völlig außer Puste. Und da waren Stufen auf dem Weg zum Liebeslager, zu dem ich Jenny als meine Circe tragen musste! Und ich spielte ohne Brille! Wir raunten wir uns eher unromantische Worte zu: ‚Lässt du mich fallen, ist was los.‘ – ‚Die Lachnummer wär‘s mir wert.‘ Oder: ‚Wieso schwitzt du denn?‘ – ‚Klappe!‘ – ‚Wird’s denn gehn, mein griechischer Held?‘ – ‚Klappe, sag ich!‘

Recht witzig (im Nachhinein) auch noch diese Begebenheit: Wir spielten unsere Liebesszene, ließen uns, wie geprobt, auf unsrer Liebesstatt nieder, das Licht erlosch, Musikeinsatz, Licht wieder an und die Handlung sollte weitergehen. Ging sie auch … nur nicht mit unserer Szene ‚am nächsten Morgen‘, sondern mit der übernächsten, in der die ‘Gefährten im Publikum‘ diskutierten. Unsere Szene war komplett vergessen worden. Aber wir lagen immer noch auf der Bühne rum, vor der wir eigentlich längst hätten weg sein sollen!! Heimliches Geflüster im Liebesbett: “Mist.“ – „Wassnulos?” – “Lass uns abhauen.” – “Vielleicht merkt man es ja noch?” – “Nö, die quatschen da hinten weiter.” – “Wasmachnwirnjetz?” – “Los, wir kuscheln uns weg.” – Wir schwebten also toootaaal verliebt von der Bühne, um dahinter sofort loszuspurten, ein Textbuch zu zücken und mit den hinter den Kulissen Stehenden Mitspielern nach einer Stelle zu suchen, an der wir die verlorene Szene (die nicht gerade unwichtig war) noch einschieben konnten. Wir fanden eine Stelle und schwebten wieder toootaaal verliebt auf die Bühne, improvisierten den Einstieg (Knutscherei, was sonst?) und danach ging es weiter nach Skript. – Den voreiligen Gefährten war es furchtbar peinlich. Aber Hey, kann jedem passieren; wird als Anekdote verbucht.