Lampenfieber

Solo-Theaterstück von und mit Markus Veith

Handlung

Der Schauspieler hat sein Abendwerk getan. Die Aufführung war erfolgreich, das Publikum begeistert, der Applaus üppig. Nun sitzt er in seiner Garderobe … gemeinsam mit seinen Zuschauern. Und zwischen Kostüm und Schminke plaudert er aus dem Nähkästchen: Von den Splittern der Bretter, die die Welt bedeuten. Über Texthänger, Pleiten und Pannen, Schein und Sein und die grossen Heldinnen und Helden seines Metiers -Rühmann, Gerd Fröbe, Peter Ustinov, Zarah Leander … Andkdotenreich und humorvoll, mit viel Liebe, Respekt und Biss zerlegt er das Show-Business, das like no Business ist.

Text & Spiel      Markus Veith

Regie                 Tony Glaser

Bühnenanforderungen:  ab 4m x 3m, Beleuchtung: einfach, weiß, keine Lichtwechsel.

Auch als Wohnzimmertheater machbar. Sprecht mich an.

Presse

Frankenpost Kulmbach – 03. Juli 2017

Lampenfieber als Bühnenstück

Hans Mosers Nuscheln, Heinz Erhardts Brille und das ewige Streben nach Ruhm: Markus Veith blickt genüsslich hinter die Kulissen der Schauspielerei – und mit ihm das Stadtsteinacher Publikum.

Das Theaterstück ist zu Ende, der Schauspieler kommt in die Garderobe und hat ganz vergessen, heute ist ja ein „Meet and Greet“ angesagt. Also verrät er Geschichten, die er im Laufe seiner Berufsjahre erlebt hat, erzählt Anekdoten über verschiedene Kollegen, über Heinz Rühmann, Hans Moser, Hans Albers, Zarah Leander und andere. Das neue Stück von Markus Veith, „Lampenfieber“, in dem er als Autor und Akteur agiert und bei dem Tony Glaser Regie führt, gab am Samstagabend im Frankenwaldtheater höchst unterhaltsame Einblicke in die Welt der Schauspieler. Der Dortmunder fesselte als Mime die Zuhörer und am Ende wusste keiner, welche Geschichten wahr sind und welche nicht.

Nun, der Schauspieler freut sich zunächst über eine klasse Kritik, die er in einem Zeitungsartikel bekommen hat, verrät, dass seiner Zunft aber Verrisse natürlich zu schaffen machen, wenn man beispielsweise liest: Die Schauspieler muteten sich selbst nichts zu, dem Publikum dafür alles. Aber auch vielfach vertretene Vorurteile von Menschen, dass Schauspieler kein Beruf sei, diese Leute von Stütze leben, Rotwein saufen, Drogen nehmen und erst mittags aus dem Bett kommen, lassen ihn nicht kalt. Es nervt ihn, wenn er sein Publikum den ganzen Abend gut unterhalten hat und dann gefragt wird: Was machen Sie beruflich? Und wenn Leute nur Fernsehstars akzeptieren, die sie automatisch für gut halten, weil sie halt am Bildschirm zu sehen sind, während es alle anderen ihrer Meinung nach zu nichts gebracht haben. Er gibt aber auch zu, dass die Schauspielerei das ewige Streben nach Anerkennung ist, der Ruhm eine unglaubliche Faszination ausübt. Andererseits bekommen die Hollywood-Stars ihre Millionen nicht nur für ihre Leistung, sondern den Großteil für den Verlust ihrer Privatsphäre. Herrlich, wenn Veith vorspielt, wie ein Schauspieler von einem Fan belagert, belästigt wird und zum guten Schluss die Ernüchterung erfährt, weil der ihn mit einem (anderen) „Star“ verwechselt hat. Schlimm auch, wenn man es zwar nach oben geschafft hat, sich dort aber nicht halten kann. „Da kann aus dem köstlichen Dessert namens Ruhm ein ganz bitterer Nachtisch werden!“ Allerdings haben es manche B- und C-Promis verdient, im Dschungel Frösche küssen zu müssen, kommentiert er mit einer nicht zu überhörenden Schadenfreude.

Unmittelbar spricht er darüber, dass Schauspieler und Regisseure in England einen ganz anderen Stellenwert haben, sie dort geadelt werden, Sir Alec Guinness zum Beispiel oder Sir Alfred Hitchcock. Sichtlich Genuss bereitet es ihm zu erzählen, dass Whoopi Goldberg früher Leichenkosmetikerin war und Brad Pitt für eine Restaurantkette warb, „versteckt in einem Hühnerkostüm“. Auskunftsfreudig gibt er preis, dass man es sogar mit einem Sprachfehler schaffen kann. So kam Heinz Rühmann in seinen Rollen ausschließlich mit einem Ton aus und Hans Moser hat schließlich genuschelt. Hans Albers war blind wie ein Maulwurf und Heinz Erhardt kurzsichtig . Dazwischen erinnert er sich daran, wenn er im Kindertheater „eine Horde kleiner Monster mit euphorischem Elan“ unterhielt, dabei meistens in der ersten Reihe in der Mitte ein auf Krawall gebürsteter Rotzblag saß. Gunther Philipp hat keinen Unterschied gesehen zwischen seinem früheren Beruf als Psychiater und seinem späteren als Schauspieler außer dem, dass im Irrenhaus zumindest der Direktor normal war. Höchst amüsant auch, wenn Markus Veith auf der Bühne die verschiedenen Möglichkeiten vorspielt, wie man eine Zigarette rauchen kann und was das über die betreffende Person aussagt. Zynisch berichtet er, dass manche brillanten Charakterschauspielerinnen privat ganz ohne Charakter auskommen.

Während er all das erläutert, zieht er sich um, räumt er auf der Bühne alles weg, schminkt sich ab und kommt am Ende zum Resümee: Ganz egal, ob er der Schauspieler auf der Bühne den König oder den Narren gespielt hat, übrig bleibt am Schluss, nachdem die Lichter erloschen sind und das Gesicht abgeschminkt ist, der Mensch. „Lampenfieber“, ein gänzlich anderes Theaterstück, das einen sehr interessanten und kurzweiligen Einblick gibt in eine Berufsgruppe, die auf der Bühne steht, die die Welt bedeuten.

Rainer Unger

 

Ruhr-Nachrichten -April 2017

Mit Tempo und Wortwitz

v. Dieter Jaeschke

Bei der Premiere seines Solo-Theaterstücks Lampenfieber meistert Markus Veith einen Parforceritt durch die irrlichternde Gefühlswelt von Schauspielern und Regisseuren, verknüpft eigene Erfahrungen mit Anekdoten der Großen seines Fachs zu einer mal nachdenklichen, mal witzigen Aufarbeitung des Showbusiness. Alles echte Geschichten? Dazu später mehr.

Ach ja, dieses ewige Streben nach Anerkennung. Es treibt die Großen wie die Kleinen auf die Bühnen. Und auch die Großen haben mal klein angefangen. Veith, der den Text des Stückes selbst geschrieben hat, lässt seine Figuren erst einmal erzählen: Ein Schauspieler, der das Stück des Abends hinter sich hat und mit dem Publikum ins Gespräch kommt. Über Fragen wie Talent und Gage, über Dekadenzen wie das Dschungelcamp, über die Bedeutung der Schauspielschule. Der Protagonist hielt sich an den Rat eines von ihm verehrten Mentor: „Sei pünktlich, beherrsch deinen Text, und renn nicht gegen die Kulissen.“

Als Veith den jungen Gerd Fröbe bei dessen Vorsprechen im sächsischen Dialekt präsentiert, gibt es zum ersten Mal Szenenapplaus. Inzwischen hat er sich warmgesprochen. Die Situationskomik beim Kindertheater oder mit Lachanfällen auf der Bühne weiß er perfekt in Worte zu packen. Da sind Wortwitz und Tempo wunderbar aufeinander abgestimmt. Noch besser wird Veith, wenn Anekdoten über Bühnenpannen mit Leo Slezak und Peter Ustinov aus Klassikerstückchen mit Originalzitaten aus eben jenen Werken zu einer Story komponiert. Bei so viel präsentiertem Hintergrundwissen fragt sich mancher: Hat sich das alles wirklich so zugetragen? Doch Veith antizipiert die Frage des Publikums: „Nichts war unecht. Es war alles Theater.“