Menschenfischer

erschienen als Taschenbuch im OCM-Verlag:

330 Seiten, 15,90 €

ISBN 978-3-942672-19-1 

www.ocm-verlag.de

Inhalt

Kurz vor Ostern wird der Volontär Patric spontan und unvorbereitet in ein Interview geschickt.
Die Künstlerin Elisa Hain will die Hintergründe des Rosenmontagsanschlags aufdecken, der Wochen zuvor verübt wurde. Bei dem noch nicht identifizierten Todesopfer, so behauptet sie, handele es sich um ihre Nichte Susanne. Während die Künstlerin den bizarren Leidensweg ihrer Nichte beschreibt, führt sie den Volontär zu Orten, an denen sich Susannes Lebensgeschichte zugetragen haben soll. Patric bemerkt, dass Elisa panisch auf stadtbekannte Gestalten reagiert, die allgemein als Spinner belächelt werden. Schließlich weiht sie Patric in das mysteriöse Wirken des Klubs der Menschenfischer ein, in dessen Kreis auch Susanne aufgenommen worden war. Sie hatte eine Geheimidentität entwickelt: die Eule. Durch ihre Liebesbeziehung mit dem Prediger, einem Ex-Menschenfischer, zerstritt sich Susanne mit dem Geheimbund, was zu einem skurril-dramatischen Kleinkrieg führte, der darin gipfelte, dass Susanne bei jenem Bombenanschlag ums Leben kam.
Da Patric Beweise verlangt, führt Elisa Hain ihn zum abgelegenen Klubhaus der Menschenfischer. Eine grausige Entdeckung lässt ihn Hals über Kopf flüchten.

Der Psychothriller „Menschenfischer“ handelt von einem großen Gerücht und von Menschen, die anders sind. Jeder kennt sie, es gibt sie überall. Sie sind stadtbekannt, fallen durch ihre verschrobenen Spleens und seltsam anmutenden Eigenarten auf. Ist es möglich, dass diese Menschen mehr als nur ihre Andersartigkeit verbindet?

Editorial

„Menschenfischer“, mein zweites Baby, das den Weg in die Bücherregale fand, ist ein Thriller und entstand nach einem Gespräch mit einer Freundin im Westpark. Sie erzählte mir damals von einem Typen, der in Bonn durch sein befremdliches Verhalten bekannt geworden sei. So kamen wir zur Aufzählung verschiedenster seltsamer Gestalten, die wir selbst gesehen oder von denen wir gehört haben. 
Es ist verblüffend, wie die Gesellschaft mit Menschen umgeht, die sie nicht versteht, weil sie andersartig sind. Im allgemeinen wird Individualität zwar gelobt, doch wenn Zeitgenossen zu anders sind, werden sie als Kranke oder gar Spinner verspottet. In jeder Stadt gibt es diese anomalen Gestalten; manche kann man durchaus als lokalprominent bezeichnen. (siehe auch z.B. in Stadt aus Glas von Paul Auster.) 
Ich habe mir das Gedankenspiel erlaubt: Was wäre, wenn diese Andersartigen sich alle kennen würden?
Auf die Frage, worum es in „Menschenfischer“ geht, antworte ich meist: Um Gerüchte. Und hier beginnt das Experimentelle, worauf ich wieder einmal nicht verzichten konnte:
Der Roman ist in vier Kapitel gegliedert: Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag. Der gesamte Karfreitag besteht aus dem Interview, das Patric mit Elisa führt und das in Realzeit acht Stunden dauert. Eine Art ‚moderierter Dialog’; die unglaubliche Geschichte der Susanne Nemus (die ihre Tante teilweise auch nur ‚hintenrum’ erfahren hat) wird also in wörtlicher Rede erzählt. Man bekommt sie aus zweiter bis dritter Hand erzählt.
„Menschenfischer“ hat ziemlich viel Hirnschmalz gekostet. Denn hinter der anfangs simpel erscheinenden Grundidee taten sich während des Schreibprozesses phantastische Abgründe auf. Die Aufgabe, die verstrickten Elemente logisch und vor allem übersichtlich zu sortieren, dabei keinen Faden zu verlieren und den Spannungsaufbau nicht außer Acht zu lassen, war eine anderthalb Jahre andauernde Herkulesarbeit, die mich mehrmals verzweifeln ließ. Auch die Wahl des Titels passierte etliche Stationen. Irrwitzigerweise war meine allererste Idee schon „Menschenfischer“, dieser wechselte wegen der vielen Anspielungen auf Goethes „Faust“ und mit Hinblick auf das Thema ‚Gerüchte‘ zu „Des Pudels Kern“, wechselte dann zu dem poetischen, aber doch recht verwirrenden „Wald zwischen den Bäumen“, um dann letztendlich wieder bei „Menschenfischer“ zu landen.
Übrigens: Wo der Roman spielt, ist zwar nicht explizit hervorgehoben, da ich den Eindruck vermitteln möchte, dass es die Menschenfischer in jeder Stadt geben könnte, doch steht eindeutig Dortmund Pate; wer meine Heimatstadt kennt, wird das erkennen. Spielorte sind der Hellweg und andere Stellen in der City: Mayersche Buchhandlung, Corso-Passage, Karstadt-Parkhaus, Franziskuskirche, Stadtgarten, etc. Schade nur, dass es etliche der Hauptspielorte inzwischen gar nicht mehr gibt, denn das Buch erschien zwar 2014, aber geschrieben wurde es 2005 und spielt auch in dem Jahr. Das Clubhaus entsprach einem damals schon leer stehenden, später abgerissenen Gebäude am Dortmunder Feld, für das Clochard stand das heutige HappyHappyDingDong Pate, (früher hieß es Café Anno 1900) und befand sich tatsächlich direkt neben der (inzwischen ebenfalls ehemaligen) WAZ-/WR-Redaktion.